Warum dieser Pessimismus? Auslöser ist vor allem der anhaltende Nahostkonflikt. Der neuerliche Energieschock – also wesentlich höhere Kosten für Öl und Gas – hat die EU als Nettoimporteur besonders hart getroffen. Die Folgen: Preise klettern, der Konsum stockt, Unternehmen kämpfen mit steigenden Rechnungen und geringeren Gewinnen. Eine Schrumpf-Kettenreaktion, die irgendwann auch in anderen Lebensbereichen spürbar wird.
EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis warnte deshalb, Europa stehe im Spannungsfeld zwischen globalen Unsicherheiten, volatilen Energiepreisen und der eigenen wirtschaftlichen Fragilität. Sein Appell: Die Europäische Union müsse klüger und gezielter fördern, aber vor allem ihre Abhängigkeit von importierten fossilen Energieträgern weiter und viel entschiedener zurückfahren. Klingt eigentlich logisch – wäre nur nicht so verdammt schwer umzusetzen.
Die EU-Kommission hat ihre Konjunkturprognose angesichts gestiegener Energiepreise und internationaler Unsicherheiten nach unten korrigiert. Für die kommenden Jahre rechnet sie mit spürbar schwächerem Wachstum in der gesamten Union, insbesondere in Deutschland. Inflation bleibt ein großes Thema, meistens getrieben durch externe Schocks und die starke Abhängigkeit der EU von Energieimporten. Was kaum gesagt wird, aber entscheidend bleibt: Eine echte Kehrtwende könnte erst mit einer grundlegenden Energie- und Innovationswende gelingen. Neue Recherchen zeigen übrigens, dass insbesondere Frankreich und Italien ebenfalls Schwierigkeiten haben, aus eigener Kraft den Aufschwung zu organisieren. Inzwischen warnen Ökonomen nicht nur vor technischen Rezessen, sondern auch vor einer möglichen Stagnation, sollte die Energiekrise anhalten und keine politischen Gegenmaßnahmen greifen.