"Söder müsste langsam kapieren, dass eigene Soloshows auf Dauer niemanden weiterbringen – am wenigsten die Union", so Huber im Gespräch mit dem "Spiegel". Die Erwartungshaltung vieler CSU-Anhänger – vor allem im Mittelstand, den Huber noch gut kennt – ließe sich nicht länger durch laute Parolen oder ständige Querschüsse befriedigen.
Was steckt dahinter? Söders wiederkehrende Forderung nach mehr Reform-Elan gegenüber der Ampel – geäußert zuletzt im "Stern" – und sein Beharren auf Steuererleichterungen für Unternehmen und Vermögende, trotz riesigem Haushaltsloch. Damit bringt er sich nicht nur auf Gegensatzkurs zu SPD und Finanzminister Klingbeil, sondern sorgt auch parteiintern für Kopfschütteln.
"Fristen setzen, Reformen blockieren, aber selbst Steuergeschenke verlangen? Das ist nicht durchdacht, das ist Augenwischerei", äußert sich Huber spitz. Er wirft Söder vor, in Berlin kompromisslos aufzutreten, während er in Bayern eisern an Sparvorgaben zu Lasten von Familien oder Pflege festhält. Die Konsequenz: viel Unmut, wenig Orientierung, und offenbar eine Strategie auf zwei Hochzeiten, die aber in Krisenzeiten, so Huber, zum Scheitern verurteilt sei. "Ein klares Steuer- und Sozialkonzept? Fehlanzeige!", stellt der 79-Jährige ernüchtert fest.
Besonders in der derzeitigen Lage gehe es um Geschlossenheit und vorausschauendes Handeln. Huber ruft Söder auf, mit mehr Besonnenheit und analog zum früheren CSU-Vorsitzenden Theo Waigel Verantwortung zu zeigen: "Jetzt sind Zusammenhalt und Rückgrat gefragt – im Interesse der Partei, aber noch mehr für das ganze Land."
Der ehemalige CSU-Chef Erwin Huber wirft Markus Söder vor, sich durch Alleingänge und inkohärente Politik selbst und der Partei zu schaden: Während Söder in Berlin lautstark auf Steuerentlastungen pocht, spart er in Bayern an entscheidenden Sozialpunkten – ein Spagat, der gerade in Krisenzeiten laut Huber nicht tragbar ist. CSU-Wähler erwarteten Lösungen, keine politischen Manöver, und Huber fordert ein Ende der taktischen Spielchen, stattdessen Disziplin und ein stimmiges Konzept in Wirtschafts- und Sozialfragen. In jüngsten Medienberichten wird vermehrt auf die innere Verunsicherung innerhalb der Union durch den harten Kurs Söders hingewiesen; auch führen wachsende Zweifel an seiner Führungsstrategie zu Diskussionen über die zukünftige Gestalt der deutschen Oppositionspolitik. Nach aktuellen Berichten der großen deutschen Nachrichtenseiten ringt nicht nur die CSU, sondern die gesamte Union derzeit mit der Frage, wie viel Provokation von außen und Kompromiss von innen nötig ist, um gesellschaftliche Reformen glaubwürdig voranzutreiben.