Industrie im Wandel: Deutschland steht nicht vor Deindustrialisierung, sagen aktuelle Studien

Obwohl die deutsche Industrie heftige Umbrüche erlebt, gibt es laut mehreren Analysen keine Anzeichen für einen massiven industriellen Niedergang.

heute 10:59 Uhr | 3 mal gelesen

Drei aktuelle Berichte – von Ifo-Institut, dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) und der Bertelsmann-Stiftung – liefern eine relativ optimistische Einschätzung der Situation in der deutschen Industrie. Gemäß Informationen, die u.a. in der 'Frankfurter Allgemeinen Zeitung' diskutiert werden, spiegelt sich darin wider, dass ein Großteil der industriellen Wertschöpfung in Sektoren stattfindet, deren Produkte weiterhin gefragt sind. Mich persönlich überrascht, dass etwa drei Viertel der Wertschöpfung auf Branchen entfallen, wo die Nachfrage in den letzten fünf Jahren statt gesunken vielmehr geklettert ist – z. B. pharmazeutische Produkte, Halbleiter, Maschinenbau, um nur einige zu nennen. Selbst Bereiche, die gerne als Sorgenkinder bezeichnet werden, etwa Chemie oder Metallerzeugung, profitieren laut den Forschenden größtenteils von wachstumsstarken Segmenten. Ein echter Klotz am Bein bleibt freilich die Autobranche mit ihren knapp 900.000 Beschäftigten. Ein bisschen schmerzhaft ist zu sehen, wie stark der Export nach China zurückgegangen ist. Bislang fiel es der Autoindustrie offenbar schwer, ihr Portfolio zukunftsträchtig anzupassen. Auffällig ist der Appell der Studien an die Politik: Statt an Altbewährtem zu kleben, solle der Staat innovationsfreundliche Bedingungen schaffen. Angesichts des abnehmenden Fachkräftepotenzials könnte es ein erfolgversprechender Ansatz sein, Entwicklung in Deutschland zu lassen, während Produktion ins Ausland wandert – sofern das Steuersystem, Kapitalmärkte und Bürokratie dabei Innovationen nicht unnötig ausbremsen. Es bleibt also ein differenziertes Bild zurück. Oder wie Oliver Falck vom Ifo treffend sagt: 'Ohne die deutsche Industrie würde ich keine Wette eingehen.' Da steckt eine Portion Zuversicht drin – und auch ein Hauch Skepsis.

Die aktuellen Studien zeigen ein eher differenziertes Bild der deutschen Industrie: Während sich der Sektor im Wandel befindet, ist ein breit angelegter Exodus oder gar eine Deindustrialisierung nicht in Sicht. Ein markanter Befund ist, dass die meisten Unternehmen nach wie vor Produkte im Portfolio haben, für die die Nachfrage steigt – insbesondere in innovativen Schlüsselbranchen wie Pharma, Halbleiter und Maschinenbau. Gleichzeitig empfiehlt die Forschung, bestehende Strukturen nicht krampfhaft zu schützen, sondern stattdessen Innovationen aktiv zu fördern. Neuere Entwicklungen (Stand: Juni 2024) setzen weitere Akzente: Die Transformation hin zu klimafreundlichen Verfahren, insbesondere in energieintensiven Sektoren wie Chemie und Stahl, bleibt eine der größten Herausforderungen, die viel Investitionsbedarf mit sich bringt. Zudem ist die Diskussion um staatliche Subventionen und Steuererleichterungen für Zukunftstechnologien erneut entbrannt – gerade angesichts geopolitischer Unsicherheiten und dem wachsenden internationalen Konkurrenzdruck, etwa aus China und den USA. Daten aus den letzten Tagen unterstreichen, dass die Rezessionsgefahr weiterhin besteht, aber punktuelle Erholungen im Bau und Maschinenbau Hoffnung geben, während die Automobilhersteller durch den rasanten Wandel zur Elektromobilität nach wie vor unter Druck geraten.

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