Mindestlohn in der Kritik: Studie erkennt geringe Wirkung gegen Armut

Eine aktuelle Analyse stellt in Frage, ob der Mindestlohn tatsächlich dabei hilft, die Armut in Deutschland spürbar zu senken.

heute 09:07 Uhr | 3 mal gelesen

Man kann schon ins Grübeln geraten: Laut einer neuen Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) blieben große Erwartungen an den Mindestlohn bisher unerfüllt. 2022 wurde zwar der Mindestlohn deutlich auf zwölf Euro pro Stunde angehoben – nur: Die Gesamtarmutsrate in Deutschland legte dennoch zu und erreichte bald darauf 16,3 Prozent. Wenigstens bei den Beschäftigten, die früher weniger als zwölf Euro verdienten, gab's einen kleinen Lichtblick – Ihre Armutsgefährdungsquote ging um 5,5 Prozentpunkte zurück. Das klingt erst einmal nach Fortschritt, doch in der großen Rechnung bleibt dieser Erfolg eher blass. Wenn Menschen durch höheren Lohn mehr verdienen, sinken oft ihre anderen Ansprüche oder sie zahlen höhere Abgaben. Das IW merkt außerdem an, dass durch höhere Lohnkosten Betriebe womöglich zurückhaltender bei Neueinstellungen sind, und am Ende verschiebt sich das Problem vielleicht nur, anstatt es zu lösen. Selbst zukünftige Erhöhungen – wie die geplante Steigerung auf 14,60 Euro bis 2027 – werden laut IW nur marginale Auswirkungen auf das Armutsrisiko haben. Das ist schon ein ernüchterndes Fazit, oder?

Der aktuelle Befund des IW: Der Mindestlohn hat trotz kräftiger Erhöhung 2022 letztlich kaum dazu beigetragen, die Armutsquote insgesamt spürbar zu senken. Es profitieren vor allem jene, die vorher unterhalb der neuen Grenze verdienten, doch auch dieser Effekt fällt im Großen und Ganzen moderat aus. Kritisch gewertet wird, dass durch Kompensationseffekte wie höhere Abgaben oder den Wegfall von Sozialleistungen der Mehrverdienst oft kaum beim Einzelnen ankommt. Neuere Recherchen aus verschiedenen Medien zeigen zudem, dass die Debatte vielfach auch durch die Inflation und steigende Lebenshaltungskosten angefacht wird – viele Mindestverdiener spüren unter dem Strich kaum mehr Kaufkraft. Auch Gewerkschaften halten dagegen, dass der Mindestlohn zwar kein Allheilmittel gegen Armut sei, aber ohne ihn viele Beschäftigte noch stärker unter Druck geraten würden. Darüber hinaus wird inzwischen auch im europäischen Vergleich diskutiert, welche sozialpolitischen Instrumente am stärksten im Kampf gegen Armut wirken – hier zeigen etwa die skandinavischen Länder teils andere, erfolgreichere Modelle mit umfassenderen Sozialleistungen.

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