Der aktuelle Befund des IW: Der Mindestlohn hat trotz kräftiger Erhöhung 2022 letztlich kaum dazu beigetragen, die Armutsquote insgesamt spürbar zu senken. Es profitieren vor allem jene, die vorher unterhalb der neuen Grenze verdienten, doch auch dieser Effekt fällt im Großen und Ganzen moderat aus. Kritisch gewertet wird, dass durch Kompensationseffekte wie höhere Abgaben oder den Wegfall von Sozialleistungen der Mehrverdienst oft kaum beim Einzelnen ankommt. Neuere Recherchen aus verschiedenen Medien zeigen zudem, dass die Debatte vielfach auch durch die Inflation und steigende Lebenshaltungskosten angefacht wird – viele Mindestverdiener spüren unter dem Strich kaum mehr Kaufkraft. Auch Gewerkschaften halten dagegen, dass der Mindestlohn zwar kein Allheilmittel gegen Armut sei, aber ohne ihn viele Beschäftigte noch stärker unter Druck geraten würden. Darüber hinaus wird inzwischen auch im europäischen Vergleich diskutiert, welche sozialpolitischen Instrumente am stärksten im Kampf gegen Armut wirken – hier zeigen etwa die skandinavischen Länder teils andere, erfolgreichere Modelle mit umfassenderen Sozialleistungen.