Kaufkraft in Deutschland: Mehr für weniger Arbeit seit den 90ern

Seit den frühen 1990ern ist die Kaufkraft vieler Deutscher spürbar gewachsen, wie aktuelle Zahlen zeigen – trotz aller Wirren rund um Inflation und Preissteigerungen.

heute 18:45 Uhr | 4 mal gelesen

Laut einer aktuellen Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), auf die sich unter anderem der "Spiegel" beruft, hat sich das Verhältnis zwischen Löhnen und Konsumgütern in Deutschland seit 1991 teils deutlich verbessert. Gerade bei Elektronik hat sich was verändert: Musste man damals noch endlose Stunden für einen schlichten Fernseher schuften (über 78!), ist es heute beim moderneren Smart-TV nicht mal ein Viertel davon – rund 19,5 Stunden. Bye, Bye Röhrenmonster, hallo Netflix-Abende, ohne das halbe Monatsgehalt zu opfern. Auch für Kühlschränke und Anzüge braucht man heute weit weniger Lebenszeit am Arbeitsplatz. Allerdings: Nicht alles ist einfacher geworden. Ein Zeitungsabo, Strom oder auch der weibliche Friseurbesuch zehren inzwischen etwas stärker an der Brieftasche, rechnet man ihre "Arbeitszeitkosten". Für die Bilanz hat IW-Experte Christoph Schröder übrigens aktuelle und frühere durchschnittliche Nettostundenlöhne zugrunde gelegt – heute etwa 25,56 Euro, damals umgerechnet 10,21 Euro. So entsteht, schwarz auf weiß, ein ziemlich gemischtes Bild von Fortschritt und Preisentwicklung. Aber was sagt das eigentlich über die Lebenswirklichkeit aus? Da wird es komplizierter...

Die Kaufkraft in Deutschland hat sich seit 1991 in vielen Konsumbereichen verbessert – heute kann man sich mehr leisten, besonders bei technischen Geräten, für die deutlich weniger Arbeitszeit aufgewendet werden muss. Maßgeblich für diese Bilanz ist die Lohnentwicklung; während der durchschnittliche Nettostundenlohn damals bei gut 10 Euro lag, sind es inzwischen etwa 25,56 Euro. Dennoch gibt es auch Bereiche des Alltags – etwa Strom, Zeitungsabos und Dienstleistungen wie Friseurbesuche –, die deutlich teurer und damit weniger erschwinglich geworden sind. Gleichzeitig zeigen aktuelle Debatten und Pressekommentare, dass diese Entwicklung insbesondere für Haushalte mit geringem Einkommen, Alleinerziehende und Rentner weniger positiv erlebt wird, da die Preisschübe bei Mieten und Energie gerade in den letzten Jahren die statistische Gesamtbilanz stark relativieren. Neue Zahlen des Statistischen Bundesamts und verschiedene Medienanalysen betonen, dass Wohlstand und Kaufkraft von individuellen Lebensumständen und Wohnort abhängen; in Ostdeutschland etwa sind die Gewinne laut IW-Auswertung geringer ausgefallen als im Westen. Zuletzt bleibt festzuhalten, dass sich hohe Teuerungsraten der letzten Jahre besonders auf den Bereich Grundversorgung (Lebensmittel, Energie, Wohnen) negativ auswirken und so die gefühlte reale Kaufkraft vieler Menschen wieder schrumpfen lassen.

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