Warnsignale: Klingbeil-Berater sieht Inflationsgefahr durch Nahost-Krise

Jens Südekum, wirtschaftlicher Berater des SPD-Vorsitzenden Lars Klingbeil, warnt: Die jüngsten Turbulenzen im Iran könnten die Preise in Deutschland weiter anheizen – und einen neuen Inflationsschub auslösen.

heute 09:42 Uhr | 3 mal gelesen

Wenn ich ehrlich bin, überrascht mich diese Entwicklung kaum: Jens Südekum, der oft ein Ohr am Puls der Wirtschaft hat, spricht im Interview mit ntv von wachsenden Risiken durch die Unruhen im Nahen Osten. Laut Südekum ist es mehr als vorstellbar, dass sich die steigenden Energiepreise – ausgelöst durch die Iran-Krise – in Zeitlupe durch die gesamte Wirtschaft wälzen, bis sie auch bei den Lebensmitteln landen. 'Es droht ein Anstieg der Inflation und ein Dämpfer für die Wirtschaft', sagt er ganz unverblümt. Ob das ein kurzfristiger Spuk oder ein langes Zittern wird, wagt aber niemand zu sagen – Südekum zumindest gibt sich bemerkenswert vorsichtig und verzichtet auf Spekulationen. Das kürzlich aufgelegte Entlastungspaket in Deutschland hält er für angemessen. Bemerkenswert dabei: Er blickt nach Luxemburg, wo staatliche Preiskontrollen den Preisanstieg im Zaum halten. Könnte das für Deutschland ein Modell sein? Vielleicht, aber Südekum warnt zugleich vor falschen Hoffnungen. Für ihn ist klar, dass der Staat nicht jeden Preis-Schock für alle Bürger einfach wegrechnen kann. Schon jetzt seien die Benzinpreise um ungefähr 20 Prozent gestiegen – und das könne der Staat mit den aktuellen Maßnahmen gerade so auffangen. Aber Vollkaskoschutz gibt es nicht, betont er. Das klingt ernüchternd, aber vielleicht auch realistisch.

Jens Südekum, Berater von Lars Klingbeil, sieht in der anhaltenden Iran-Krise ein erhebliches Risiko für die deutsche Wirtschaft und die Inflation – vor allem im Energiesektor, dessen Preisanstiege sich mittel- bis langfristig auch auf Lebensmittel und andere Bereiche ausweiten könnten. Die Debatte um staatliche Eingriffe, wie etwa Preiskontrollen nach luxemburgischem Vorbild, wird zunehmend lauter, auch weil viele Bürger die teureren Lebenshaltungskosten spüren. Während deutsche Politiker um die richtige Balance zwischen Markt und Hilfe ringen, wächst die Unsicherheit, denn die Entwicklung ist schwer vorherzusagen – manche Beobachter sehen in der aktuellen Energiekrise gar Parallelen zu den Turbulenzen der 1970er Jahre. In den letzten 48 Stunden berichteten zahlreiche Medien, dass die Gas- und Strompreise erneut gestiegen sind; der Bundesverband der deutschen Industrie verlangt von der Ampel-Regierung zügige Maßnahmen für eine verlässlichere Energieversorgung. Zudem wächst der Druck auf die Bundesregierung, das Thema Energiearmut mit gezielten Hilfspaketen stärker in den Fokus zu rücken.

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