Ex-Trump-Berater: Merkel unterschätzte Putins Täuschungspotenzial

H.R. McMaster, einstiger Sicherheitschef unter Donald Trump, bezichtigt die ehemalige Kanzlerin Angela Merkel, Putin in zentralen Fragen zu sehr vertraut zu haben – eine Haltung, die ihr jetzt im Nachhinein teuer zu stehen kommt. Eine Spur Selbstkritik schwingt in McMasters Worten mit.

heute 16:19 Uhr | 3 mal gelesen

Man merkt McMaster an, dass er durchaus Achtung vor Merkels politischer Laufbahn hat, aber diese Anerkennung wird von einem deutlichen Vorwurf begleitet: Sie habe geglaubt, Putin 'einhegen' zu können, statt seinen Kalkül zu erkennen. Vielleicht ein typischer Trugschluss westlicher Diplomatie? Immerhin ist McMaster überzeugt, dass Merkel der Illusion aufgesessen sei, mit Dialog und wirtschaftlichen Angeboten Wandel bewirken zu können. Pikant daran: Die Diskussion, ob Merkel eine Art Russland-Vermittlungs-Rolle übernehmen könnte, hält McMaster für 'Lerneffekt-tauglich' – nach dem russischen Angriff 2022 habe vermutlich auch in Berlin ein Umdenken eingesetzt. Aus eigener Erfahrung beschreibt McMaster, wie Putin US-Präsidenten durch Schmeichelei und geteilte Opfererzählungen ködere, bevor er große Deals ankündigt. Bei Merkel, so seine Sicht, habe das durch Putins Versprechen billiger Energie funktioniert. Und irgendwie klingt McMaster dabei, als wäre das eine alte Lehrbuchgeschichte mit immer neuen Schülern.

McMasters Kritik an Merkel spiegelt eine größere westliche Selbstbefragung nach Russlands Invasion der Ukraine wider. Viele Debatten der letzten Monate drehen sich um die Frage, ob wirtschaftliche Verflechtung und diplomatische Gesprächsbereitschaft wirklich Sicherheit geschaffen oder nur neue Abhängigkeiten erzeugt haben – eine Frage, die Merkel zunehmend in die Defensive bringt. Ein rascher Wandel deutscher Ostpolitik zeigt sich schon daran, wie energisch die Bundesregierung heute für Waffenlieferungen und Sanktionen gegen Russland eintritt. Gleichzeitig beschäftigt das Thema auch viele andere: Eine aktuelle Recherche zeigt, dass Europa sich zügig um neue Energiequellen bemüht, während Russland strategisch weiter agiert. Zusätzlich berichten Medien über neue Enthüllungen in Merkels Umfeld, die zeigen, wie unterschiedlich die Reaktionen auf die Ukraine-Krise in den Jahren vor dem Angriff ausfielen. Experten, etwa auf t3n.de, diskutieren derweil, wie Deutschlands Energiepolitik in eine neue Richtung umgebaut werden könnte und wie schwerfällig Abschied und Neubeginn oft ablaufen. Die gesellschaftliche Debatte darüber, ob 'Wandel durch Handel' gescheitert ist, bleibt also lebendig und umkämpft.

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