Röttgen formulierte es nüchtern: Letztlich handle es sich bei der dreitägigen Feuerpause um ein pragmatisches Geschäft – ohne echten Wandel. Russland wolle vor allem verhindern, dass die bedeutsame Parade am 9. Mai auf dem Roten Platz gestört werde und die Ukraine erhielt dafür die Möglichkeit, Gefangene heimzuholen. Nach dieser kleinen Atempause, so Röttgen, werde der Konflikt leider direkt wie bisher weitergehen. Bemerkenswert findet er die wachsende Unruhe und den Druck auf Putins Regierung – die Militärparade sei auffällig bescheidener ausgefallen als üblich. Im eigenen Land schrumpfe die Unterstützung für den Krieg, während die Wirtschaft schwächle. Zudem verschieben ukrainische Militäraktionen das Geschehen immer deutlicher auf russisches Gebiet – unbemannten Drohnen gelingt es bereits, Ziele bis nach Moskau zu treffen. Röttgen hebt hervor, dass die Ukraine unter dem Druck beeindruckend ihre industrielle und technologische Leistungsfähigkeit ausgebaut habe. Moderne Waffen gleichen manchen Nachteil der Ukraine aus und treffen massiv russische Infrastruktur, etwa die Ölindustrie. Auch aus globaler Sicht, etwa im Hinblick auf den Iran, erwartet Röttgen keine Entspannung für Russland – im Gegenteil: Der Krieg im Iran lenke die US-amerikanische Aufmerksamkeit ab und verschärfe Putins strategische Lage. Russland verliere so an internationaler Glaubwürdigkeit und stecke zunehmend in der Klemme, weil sich Putin keine Feinde unter wichtigen Mächten leisten könne.
Röttgens Analyse der Waffenruhe lässt kaum Raum für Hoffnung: Sie sei bloß eine temporäre, eigennützige Vereinbarung, vor allem, damit Russland die symbolische Parade nicht gestört sieht. Die Ukraine verschafft sich mit Drohnen und technologischen Fortschritten zunehmend Vorteile, drängt das Kriegsgeschehen zum Teil auf russischen Boden und schwächt russische Ölproduktion, was die wirtschaftliche Notlage Russlands verschärft. Auch internationale Entwicklungen – etwa der Fokus der USA auf Konflikte im Nahen Osten – machen Putins Position zusehends schwieriger, während sein Ansehen bei Verbündeten weiter leidet.
Neuere Berichte und Analysen zeigen, dass der Krieg weiterhin eine hohe Dynamik aufweist: In den letzten Tagen wurde berichtet, dass die Ukraine mehrere erfolgreiche Angriffe auf russische Energieinfrastruktur durchgeführt hat und russische Regionen verstärkt todesmutigen Drohnenangriffen ausgesetzt sind. Außerdem wird in den Medien zunehmend diskutiert, dass Putins innenpolitisches Standing wackelt – Proteste und Missstimmung in Russland nehmen laut unabhängigen Quellen zu. Auch internationale Stimmen, etwa von der NATO, haben in jüngsten Analysen betont, dass eine echte Waffenruhe ohne grundlegende Veränderungen kaum denkbar sei.