„Ich war nicht beunruhigt, kennen Sie das nicht? So läuft das Leben manchmal, gerade heutzutage“, erklärte Donald Trump am Sonntagabend bei '60 Minutes' auf CBS. Die Szene: Trump schildert, dass er den Sicherheitsprotokollen nicht sofort folgte, als die Schüsse fielen. Statt sich umgehend hinzulegen, wollte er zunächst selbst einen Blick riskieren – vielleicht aus Trotz, vielleicht auch aus Neugier. „Ich mache es denen nicht zu leicht“, bemerkte er, als hätte er das Ganze lieber im Griff als die Profis.
Das Interview nahm noch eine Wendung, als Trump auf Passagen aus dem „Manifest“ des Täters angesprochen wurde. Darin bezichtigte der Attentäter Trump schwerster Vergehen. Der Präsident reagierte sichtbar verärgert: „Natürlich wussten Sie, dass Sie das vorlesen. Sie sind schlimm.“ Er wies alle Vorwürfe zurück und brach das Gespräch fast ab – ein Spiegelbild seiner oft konfrontativen Haltung gegenüber Medien.
Wenige Stunden später meldete sich Barack Obama: Für Demokratie gebe es keinen Platz für Gewalt, sagte er, und erinnerte daran, dass der Mut der Secret Service-Agenten viel zu häufig als selbstverständlich angesehen werde. Immerhin: Der getroffene Beamte scheint auf dem Weg der Genesung zu sein.
Zum Anschlag selbst: Ein 31-jähriger Lehrer hatte versucht, schwer bewaffnet in das Hotel einzudringen, in dem das berühmte „White House Correspondents' Dinner“ stattfand. Direkt bevor Trump ans Rednerpult treten sollte, fiel ein Schusswechsel im Sicherheitsbereich. Dank der schnellen Reaktion des Secret Service blieb es bei einem kurzen Schrecken – der mutmaßliche Täter wurde rasch gefasst und sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft. Was ihn zu seiner Tat bewegte, bleibt bislang weitgehend unklar.
Trump versuchte, nach dem Anschlagsszenario beim Gala-Dinner seinen gewohnten selbstsicheren Ton zu bewahren – er habe die Nerven behalten und sich nicht unmittelbar den Anweisungen des Secret Service untergeordnet. Die Konfrontation mit Aussagen aus dem Täter-Manifest brachte ihn jedoch in Rage, und das Interview kippte. Währenddessen ruft Obama zu mehr Zusammenhalt und Respekt für demokratische Werte auf. Laut aktuellen Medienberichten wird der Fall landesweit genau verfolgt, zahlreiche Stimmen thematisieren den gesellschaftlichen Kontext wie Lagerbildung, toxische Rhetorik und die Rolle des rechten Extremismus in den USA. Es gibt weiterhin keine Hinweise auf ein Netzwerk oder Mitwisser des Täters. Im Netz kursieren Verschwörungstheorien zu Hintergründen und vermeintlichen Motiven, was die Unsicherheiten in der ohnehin schon aufgeladenen politischen Stimmung weiter anheizt.