Moderna zieht Übernahme deutscher Biontech-Werke in Betracht

Der US-Pharma-Riese Moderna denkt darüber nach, in Deutschland eigene Produktionskapazitäten zu schaffen – und könnte dafür Werke des Konkurrenten Biontech übernehmen.

heute 08:44 Uhr | 2 mal gelesen

Es klingt fast ein wenig paradox: Während Biontech, der prominente Impfstoffentwickler aus Mainz, Standorte schließen muss, schaut sich Konkurrent Moderna plötzlich ganz genau nach genau diesen Werken um. Stéphane Bancel, der Moderna-Chef, bestätigte im Gespräch mit dem „Handelsblatt“ ausdrücklich das Interesse – wobei nicht nur die Anlagen selbst, sondern auch die erfahrenen Teams in Deutschland ins Auge gefasst würden. Dass vorhandene Standorte für Moderna reizvoller sein könnten als ein kompletter Neubau, liegt laut Bancel auf der Hand – zumal die Zeit drängt und die Rahmenbedingungen alles andere als ideal scheinen. Allerdings hängt alles an politischen Zusagen: Ohne verlässliche Unterstützung durch die Bundesregierung will Moderna kein grünes Licht geben. Bancel zieht auch andere Länder in Europa als mögliche Alternativen in Betracht. Besonders beunruhigt ihn, dass mit dem Rückzug von Biontech die gesamte mRNA-Produktionslandschaft Deutschlands oder Europas zu kippen droht. China dagegen holt mächtig auf, mit dem Aufbau mehrerer mRNA-Firmen parallel. Es ist ein kleines geopolitisches Schachspiel, das sich da in den Laboren und Fabrikhallen abspielt.

Modernas Erwägung, Biontech-Werke in Deutschland zu übernehmen, ist ein Indiz für die Verschiebung im europäischen Biotech-Markt: Während etablierte Unternehmen wie Biontech zurückschrauben, drängen internationale Konzerne auf der Suche nach neuen Standorten vor. Das politische Vorgeplänkel ist dabei fast wichtiger als die reine Wirtschaftlichkeit – ohne klare Zusagen aus Berlin wird Moderna anderweitig investieren. Interessant ist, dass viele Länder, wie etwa Kanada und Großbritannien, einen aktiveren Schulterschluss mit Biotech-Unternehmen gefunden haben, während Deutschland traditionell eher zögerlich agiert. Recherchen zeigen: Moderna beschäftigt sich verstärkt mit dem Ausbau der Produktion für mRNA-Basierte Medikamente, nicht nur für Impfstoffe gegen COVID-19, sondern zunehmend auch für neuartige Therapien gegen Krebs und seltene Erkrankungen. Die Wettbewerbsfähigkeit Europas steht laut Branchenanalysten auf dem Spiel, da US- und asiatische Konkurrenten größere staatliche Unterstützungen genießen. Aktuelle Medienberichte thematisieren zudem, dass es weltweit einen Umbruch im Pharmamarkt gibt – und Deutschland muss entscheiden, ob es vorne mithalten will oder ins Hintertreffen gerät.

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