Curevac-Gründer übt massive Kritik an Biontech – Vorwürfe der Irreführung

Ingmar Hoerr, Mitbegründer von Curevac, bezichtigt Biontech der Täuschung im Übernahmeprozess.

heute 11:23 Uhr | 3 mal gelesen

Curevac-Gründer Ingmar Hoerr hat in einem Interview mit dem 'Spiegel' erhebliche Kritik an Biontech geäußert. Nach seiner Ansicht wurden die Curevac-Aktionäre beim Verkauf bewusst in die Irre geführt. Hoerr meint, hätte man den Investoren klargemacht, dass Biontech die einfache Schließung von Standorten und das Ausnutzen günstiger Patente beabsichtigte, hätte wohl kein rational handelnder Mensch dem Deal zugestimmt. Für ihn fühlt sich das rückblickend wie ein klassisches 'Dummverkaufen' an.
Die geplanten Werkschließungen in Marburg, Idar-Oberstein und sogar in Tübingen, dem Heimatstandort von Curevac, sorgen bei Hoerr für Unverständnis. In seinen Augen steht hier nicht nur die betriebswirtschaftliche Logik, sondern ein ganzer Erfahrungsschatz von zwei Jahrzehnten auf dem Spiel – Wissen, so Hoerr, das sich nicht einfach ersetzen lässt.
Ungewöhnlich findet er zudem, dass parallel zu massiven Einsparungen auch ein auffällig großes Aktienrückkaufprogramm läuft. Die gleichzeitigen Aussagen über Sparzwang und das gezielte Stützen des Börsenwerts durch Aktienrückkäufe empfindet er als widersprüchlich und fast schon provokant.
Hoerr unterstellt, Biontech habe sich Curevac insbesondere zur Patentbereinigung einverleibt und sieht im Kontext der teils astronomischen Corona-Erlöse von einem milliardenschweren Poker. Außerdem äußerte er sich überrascht darüber, dass die Biontech-Gründer Sahin und Türeci keinen Medizin-Nobelpreis bekamen, da ihrer Arbeit die klare, neuartige Kernleistung fehle, die der Nobelpreis eigentlich würdigt.
Ein Ausblick von Hoerr geht noch weiter: Bleiben größere Erfolge aus, könnte Biontech seiner Prognose nach sogar selbst bald Ziel einer Übernahme werden.

Hoerr hat Biontech scharf angegriffen und wirft dem Unternehmen vor, Aktionäre von Curevac im Zuge der Übernahme getäuscht zu haben, insbesondere bezüglich geplanter Schließungen und der Vorgehensweise beim Erwerb von Patenten. Die geplanten Restrukturierungen stoßen auf breite Kritik, da wertvolles Know-how und langjährige Forschungsarbeit bedroht seien. Zudem sorgt die gleichzeitige Ankündigung von Sparmaßnahmen und einem umfangreichen Aktienrückkauf für Irritationen – ein Signal, das in der aktuellen Wirtschafts- und Unternehmenslandschaft durchaus für Diskussionsstoff sorgt. Recherchen aktueller Berichte zeigen, dass die mRNA-Branche weiterhin von Unsicherheit und Konkurrenzdruck geprägt ist. Zum Beispiel berichtet die FAZ, wie der internationale Wettbewerb um Impfstoffpatente und -märkte aufflammt, wobei gerade kleinere Firmen ins Visier großer Player geraten (siehe Erweiterung unten). Die aktuellsten Artikel betonen außerdem, dass die Innovationskraft der Branche gefährdet ist, sollten traditionelle Standorte wie Tübingen geschlossen und Fachkräfte abwandern. Aspekte der staatlichen Forschungsförderung werden in den Zeitungen ebenso diskutiert wie die Frage, ob deutsche Biotech-Unternehmen ihren Wissensvorsprung auf Dauer halten können.

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