Forsa-Umfrage: AfD-Leitlinien kommen in Sachsen-Anhalt auf wenig Gegenliebe

Eine neue Umfrage von Forsa im Auftrag von RTL und ntv zeigt: Die Pläne der AfD werden von der Mehrheit der Bevölkerung in Sachsen-Anhalt klar abgelehnt – insbesondere die zentralen Punkte rund um Migration, Schulen und Kirche stoßen auf Skepsis.

heute 12:26 Uhr | 2 mal gelesen

Manchmal reicht schon ein kurzer Blick in aktuelle Umfragewerte, um eine Gesellschaft zu fühlen. Ganz ehrlich: Es überrascht mich kaum, wie wenig weite Teile der Bevölkerung mit dem Programm der AfD anfangen können – doch diese Erkenntnis bleibt dennoch bemerkenswert und wirft wieder neue Fragen auf.

Stimmen zu Fachkräften: Gedämpfte Sorgen

Das typische Narrativ, dass medizinisches Personal aus dem Ausland nicht ausreichend 'kompatibel' mit deutschen Gepflogenheiten sei, überzeugt laut Forsa nur eine kleine Minderheit: Bloß 17 Prozent halten die These für zutreffend. Kaum überraschend: Bei AfD-Fans ist der Wert sichtbar höher, aber im Rest des Landes finden solche Klischees eben kaum Widerhall. Man sieht: Pauschale Ängste über Fremde am deutschen Krankenbett bleiben für die Mehrheit kein Thema.

Migration – ein rotes Tuch? Eher nicht.

Die Angst, zu viele Fachkräfte „aus anderen Kulturen“ könnten unser Gesundheitssystem beschädigen – auch das findet bei den meisten keinen Anklang. Lediglich 16 Prozent der Deutschen können sich mit der Position anfreunden, in AfD-Kreisen ist das Bild deutlich getrübter. Alles in allem ist der Konsens in der Bevölkerung aber deutlich gegen solche Überzeichnungen und Vereinfachungen.

AfD-Schulkonzepte: Kaum mehrheitsfähig

Wie sieht’s mit Bildung aus? Die Forderung, dass Lehrkräfte beim Meinungsaustausch in der Klasse ausschließlich moderieren und keinerlei Wertungen abgeben sollten, wird von nur rund einem Viertel unterstützt. Etwas lukrativer ist der Vorschlag, Beschwerdestellen für Eltern und Schüler auszubauen – hier kann sich knapp ein Drittel vorstellen, mitzuziehen. Doch auch hier bleibt der ganz große Rückhalt aus.

Stichwort Kirche: Spaltendes Terrain

Nicht alles landet bei der Mehrheit so wenig: Die Idee, Kirchenprivilegien wie Steuererhebung und staatlichen Support einzuschränken, findet bei etwa 44 Prozent der Deutschen Anklang – das ist deutlich mehr als bei anderen AfD-Punkten, allerdings herrscht auch in diesem Feld eine spürbare Teilung. Wer AfD wählt, steigt erwartungsgemäß enthusiastischer auf diese Forderung ein.

Erwartungshaltung und unterschwellige Ängste

Interessant: Rund jeder Zweite hält es für möglich, dass die AfD im Fall einer Regierungsbeteiligung tatsächlich ihre Positionen in Schulen umsetzt. Bei Migration und Kirche trauen es immer noch viele der Partei zu. Gleichzeitig sorgt die Möglichkeit solcher Veränderungen für Unruhe: Eine Mehrheit fürchtet, dass damit gerade ausländische Beschäftigte und Lehrkräfte dünnhäutiger oder abgeschreckt werden – und das widerstrebt vielen.

Abschließender Schwenk

1.007 Menschen hat Forsa gefragt, an zwei Tagen Mitte August. Klar: Bei aller Statistik bleibt Raum für Zweifel, aber die Richtung des Trends ist schon sehr eindeutig.

Die Studie offenbart, dass die entscheidenden AfD-Forderungen in Bezug auf Migration, Schule und die Rolle der Kirchen in Sachsen-Anhalt kaum auf breite Resonanz stoßen. Lediglich bei der Debatte um das Verhältnis von Staat und Kirche herrscht eine zumindest geteilte Meinung, ansonsten steht die Mehrheit der Bevölkerung AfD-Propositionen ablehnend gegenüber. Viele fürchten zudem, die Umsetzung solcher Ideen könnte nicht nur gesellschaftlichen Zusammenhalt beeinträchtigen, sondern auch gezielt dazu führen, dass ausländische Fachkräfte und Lehrer abgeschreckt oder sogar verunsichert werden. Weitet man den Blick, zeigt sich laut Zeit Online, dass bundesweit Fragen zur Demokratie und gesellschaftlicher Polarisierung im Wahlkampf intensiver diskutiert werden, wobei rechtspopulistische Themen vermehrt Widerspruch erfahren (Quelle: Zeit). Die Frankfurter Allgemeine schreibt, dass jüngste AfD-Erfolge in Umfragen und Wahlergebnissen die Notwendigkeit einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung über Migration und Integration noch dringlicher machen, auch wenn breite Bevölkerungsschichten viele AfD-Forderungen kritisieren (Quelle: FAZ). Die Süddeutsche analysiert die Kernfragen der AfD-Wahlprogramme in mehreren Bundesländern und kommt zu dem Schluss, dass vor allem Migrations- und Bildungspolitik die größten Polarisierungen hervorrufen (Quelle: Süddeutsche Zeitung).

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