Frauen auf Chefposten: Fortschritt im Schneckentempo

Zwar steigt die Zahl der Frauen in Führungspositionen leicht, aber sie bleibt deutlich hinter ihrem Anteil an der gesamten Erwerbsbevölkerung zurück – gerade mal knapp jede dritte Leitungsstelle ist inzwischen weiblich besetzt.

vor 54 Minuten | 2 mal gelesen

Eigentlich könnte man meinen, dass nach Jahrzehnten der Gleichstellungsdebatte endlich Bewegung in die Chefetagen kommt – doch das große Aufbrechen bleibt aus. 2025 sind laut Destatis zwar mehr Frauen Führungskräfte als zu Anfang der Neunziger (damals waren es etwa 26 Prozent), aber noch immer haben rund sieben von zehn Chefposten Männer inne. Und ja, wenn man ehrlich ist: Das fühlt sich an wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Auffällig ist zudem, wie viele Beschäftigte in Deutschland ein enormes Arbeitspensum häufen. Mehr als sieben Prozent der ungefähr 30 Millionen Vollzeiterwerbstätigen rackern jede Woche 49 Stunden oder noch mehr (bei Selbstständigen liegt der Wert sogar deutlich höher). In der Regel gilt: je älter, desto länger die Arbeitszeit. Unerwartet? Eigentlich nicht, denn obere Positionen sind nach wie vor eher älteren und männlichen Erwerbstätigen vorbehalten. Wer selbstständig Angestellte führt, arbeitet häufiger bis spät in den Abend – fast jeder Dritte im Vergleich zu nur rund jeder Siebte abhängig Beschäftigte. Nachtschichten hingegen treffen beide Gruppen ähnlich oft, was viele nicht erwarten würden. Wenig gearbeitet wird übrigens keineswegs immer freiwillig: Jede zwanzigste Teilzeitkraft sucht dringend nach einem Vollzeitjob – ein Trend, der sich in den letzten Jahren zwar verbessert hat, aber keineswegs verschwunden ist. Dazu kommt die Unsicherheit befristeter Jobs: Über sieben Prozent der Arbeitnehmer ab 25 arbeiten mit Verfallsdatum im Vertrag, meist nur für wenige Monate oder ein bis zwei Jahre. Ein schales Gefühl bleibt. Und trotzdem gibt es eine andere Seite: Knapp 41 Prozent sind ihrem Arbeitgeber seit zehn Jahren oder mehr treu – eine erstaunliche Konstanz, zwischen all den Veränderungen und Unsicherheiten auf dem Arbeitsmarkt.

Trotz einer langsam steigenden Anzahl an Frauen in Führungsrollen klafft weiterhin eine deutliche Lücke zu ihrem Anteil an der gesamten Erwerbsbevölkerung. Nach wie vor sind viele Chefposten fest in männlicher Hand, unter anderem auch deshalb, weil längere und ungünstigere Arbeitszeiten meist Männern sowie älteren Erwerbstätigen zugeschrieben werden. Während Befristungen, unfreiwillige Teilzeit und Überstunden die Arbeitsrealität vieler bestimmen, zeigen sich aber auch stabile Arbeitsverhältnisse – fast die Hälfte der Beschäftigten bleibt dem gleichen Arbeitgeber über Jahre treu. Laut aktuellen Berichten wurde zudem diskutiert, dass verbindliche Quoten in Vorständen deutscher Unternehmen den Frauenanteil langsam erhöhen, sich aber kulturelle und strukturelle Hindernisse weiterhin beständig halten. In einigen neuen Analysen schwingt leise Skepsis mit: Zwar gibt es Fortschritte, aber sie erscheinen vielen Beobachtern als Stückwerk. Außerdem wurde angemerkt, dass jüngere Generationen und internationale Unternehmen beim Thema Gleichstellung in Führungsrollen oftmals mehr Tempo machen als traditionelle Firmen in Deutschland.

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