Laut einer aktuellen Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft steuert Ostdeutschland auf ein markantes demografisches Problem zu: Fehlt die Zuwanderung, wird sich die Zahl der Menschen im Erwerbsalter dort noch drastischer verringern als ohnehin schon. Genauer gesagt: Derzeit leben im Osten etwas über 7,7 Millionen Erwerbsfähige. Bis in 20 Jahren könnten es – falls kaum neue Arbeitskräfte aus anderen Ländern kommen – nur noch rund sechs Millionen sein. Ein Rückgang um 22 Prozent, das ist kein Randphänomen. Und wenn ich ehrlich bin, diese Art Zahl lässt sich schwer ignorieren, besonders wenn man das leise Knistern leerer Bushaltestellen in Dörfern im Kopf hat oder das Verschwinden von Kleinstadtbäckereien.
Zwischen 1995 und 2025 sind bereits 2,3 Millionen Erwerbsfähige verschwunden – wie auf leisen Sohlen, kaum bemerkt im bundesdeutschen Alltag, aber deutlich spürbar vor Ort. Der Anteil dieser Gruppe an der Gesamtbevölkerung hat sich von einst stattlichen 71 Prozent auf mittlerweile unter 63 Prozent abgesenkt. Noch deutlicher zeigt sich die Entwicklung in einzelnen Regionen: Mecklenburg-Vorpommern könnte fast ein Viertel, Sachsen-Anhalt ein gutes Viertel seines arbeitsfähigen Bevölkerungsanteils einbüßen, falls sich nichts ändert.
IW-Experte Wido Geis-Thöne bringt ein Dilemma auf den Punkt, das wohl mehr ist als eine statistische Größe: Fehlen massenhaft Menschen, wird's schwierig, überhaupt grundlegende Dinge am Laufen zu halten – vor allem dort, wo Maschinen eben (noch?) niemanden die Haare schneiden, Kinder betreuen oder in Altersheimen Trost spenden können. Im Hintergrund bleibt ein mulmiges Gefühl: Was passiert, wenn der Kuchen am Ende nicht mehr reicht? (Vielleicht gibt es irgendwann mehr Fußwege als Füße, die sie nutzen.)
Die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter in Ostdeutschland steht laut IW vor einem deutlichen Rückgang, sofern nicht ausreichend Migration erfolgt. Besonders prekär ist die Situation in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, wo fast ein Viertel der Erwerbsfähigen bis 2045 fehlen könnte. Die Folgen reichen weit über den Arbeitsmarkt hinaus – sie betreffen die gesamte Infrastruktur und soziale Versorgung. Neue Berichte zeigen, dass die aktuellen Migrationszahlen in Deutschland nach wie vor volatil sind, wobei trotz politischer Bemühungen weiterhin zahlreiche Menschen in die Ballungsräume ziehen, was den Druck auf ländliche Regionen verstärkt. Laut aktuellen Nachrichten rückt das Thema Fachkräftemangel immer stärker in den Vordergrund und wird zunehmend als gesamtgesellschaftliche Herausforderung wahrgenommen. Gleichzeitig werden „smarte Lösungen“ etwa durch stärkere Förderung von Familien, bessere Teilhabe Älterer am Arbeitsmarkt oder Digitalisierung diskutiert, allerdings sind schnelle Durchbrüche nicht absehbar (vgl. Berichte von SPIEGEL, Zeit und FAZ, Stand Juni 2024).