Florian Hohenwarter, der Chef von KNDS Deutschland, hat sich gegenüber dem "Handelsblatt" überraschend offen zu den Plänen des Unternehmens geäußert: "Wir werden zusätzliche industrielle Kapazitäten brauchen, um den Bedarf für den Boxer zu stemmen." Das klingt nach einer simplen Wachstumsgeschichte, aber dahinter steckt offenbar mehr. Neue Fabriken zu bauen, das dauert zu lange – in der Rüstungsbranche zählt nun mal oft die Zeit. Deshalb schaut sich KNDS gezielt nach schon existierenden Produktionsstätten um, vorzugsweise mit Teams, die bereits Hand in Hand arbeiten – so wie in der Autobranche.
Interessant: Man ist wohl bereits mitten in Gesprächen und hält explizit nach Werken Ausschau, in denen das Know-how stimmt. Ob die Umstellung reibungslos gelingt? Da schwingt ein leiser Zweifel mit – schließlich ist die Produktion eines Panzers nicht dasselbe wie die eines Familien-SUVs. Die Personalpläne sind ambitioniert: Bis Ende des Jahrzehnts soll die Belegschaft auf weltweit über 23.000 wachsen. Zum Vergleich: Im Moment arbeiten 11.500 Menschen für KNDS.
Erst seit kurzem läuft übrigens die Serienfertigung des Boxers in München, sprich: Die nächsten Monate werden entscheidend. Der Hintergrund ist eine erwartete Bestellung der Bundeswehr – die Rede ist von mehreren tausend Fahrzeugen. Und noch ein Name taucht auf: Dräxlmaier, traditionell ein großer Player in der Autozulieferindustrie, wird wohl beim Boxer eine wichtige Rolle spielen. Kooperationen, so scheint es, werden für KNDS zum Schlüssel, um dem steigenden Bedarf gerecht zu werden.
Das Rüstungsunternehmen KNDS Deutschland reagiert auf die steigende Nachfrage nach dem Radpanzer Boxer, indem es gezielt nach bestehenden Industriestandorten sucht, die für eine schnelle Umstellung auf den Panzerbau geeignet sind. Besonders im Blick hat das Management Teams mit Erfahrung aus der Fertigung, beispielsweise aus der Automobilbranche – hier sieht man eine gute Basis, um die ambitionierten Pläne zur Verdoppelung der Mitarbeiterzahl bis 2030 umzusetzen. Die Kooperation mit Autozulieferer Dräxlmaier, die bereits angekündigt wurde, unterstreicht den Trend, Kompetenzen aus anderen Industrien anzuzapfen. Laut taz steht die Rüstungslobby in Deutschland derzeit unter besonderer Beobachtung, da im Bundestag um Verteidigungsausgaben und die Einbindung der Industrie gerungen wird. Nach aktuellen Medienberichten wurde zuletzt die Serienproduktion des Boxers in München offiziell eröffnet, während die Bundeswehr die hohe Bedeutung des schnellen Panzernachschubs betont. Der starke Personalaufbau und die Öffnung für externe Teams können für den Standort Deutschland eine mittelfristige Belebung bedeuten, bringen aber auch Herausforderungen bei Qualifikation und Ausrüstung der neuen Belegschaften mit sich.