Nach Palantir-Absage: Bundeswehr setzt zunächst auf europäische Alternativen

Vizeadmiral Thomas Daum, oberster Verantwortlicher für den Bereich Cyber- und Informationsraum bei der Bundeswehr, kann sich aktuell keinen Einsatz der US-Software Palantir vorstellen. "Das sehe ich momentan überhaupt nicht", erklärte er gegenüber dem "Handelsblatt".

heute 10:59 Uhr | 2 mal gelesen

Thomas Daum, seines Zeichens Vizeadmiral und Leiter des Cyber- und Informationsraums der Bundeswehr, machte im Gespräch mit dem 'Handelsblatt' eine klare Ansage: Die Nutzung von Palantir – dieser durch verschiedene Medien und manche skandalisierende Schlagzeilen teils mystifizierten US-Software – fällt für die hiesige Truppe vorerst aus. Der Grund? Man will schlichtweg keine Industriemitarbeiter an nationale Datentöpfe lassen. Zwar, so Daum, wäre die IT-Lösung verlockend, vor allem hinsichtlich der Features für Datenmanagement. Doch die Vorstellung, sensible Infos an Dritte zu öffnen, ist ihm offenbar ein Graus. Im Austausch äußerte Palantir sich fast schon defensiv: Der Softwarehersteller betont, dass Anwender keinen Besuch von Palantir-Personal benötigen. Trotzdem: Die Chefetage der Bundeswehr entscheidet sich für heimische Wege. Was bedeutet das konkret? Statt auf die US-Amerikaner setzt man auf das Stuttgarter Unternehmen Almato (Teil von Datagroup), das Berliner Startup Orcrist und den französischen Anbieter Chapsvision. Besonders Chapsvision trägt nicht umsonst den Spitznamen 'das französische Palantir'. Im Sommer folgt ein Testlauf, gegen Jahresende gibt's den offiziellen Zuschlag. Die Bundeswehr will sich damit ein eigenes "Datenökosystem" aufbauen: eine geschützte Cloud, national gesteuert, zur Datenverarbeitung und für den KI-Betrieb.

Die Bundeswehr entscheidet sich zunächst gegen die US-Software Palantir, da derzeit grundlegende Anforderungen an Datenschutz nicht erfüllt werden. Stattdessen werden drei europäische Alternativen unter die Lupe genommen: Almato, Orcrist und Chapsvision, deren Tools noch im Sommer auf Herz und Nieren geprüft werden. Im Zentrum steht dabei ein Großprojekt: Ein deutsches Verteidigungsdatenzentrum samt gesicherter Cloud-Infrastruktur soll entstehen, das als Rückgrat für zukünftige KI-Anwendungen und die Vernetzung verschiedener Datenquellen dient. Auffällig ist in den aktuellen Medienberichten das große politische Interesse am Thema: So wird beispielsweise diskutiert, dass die Debatte um nationale Souveränität und Abhängigkeit von US-Tech-Konzernen rasch Fahrt aufnimmt – und mit Blick auf die Modernisierung der Bundeswehr sonstige Risiken sichtbar werden. Aus anderen Artikeln der vergangenen Tage geht außerdem hervor, dass die deutsche Rüstungsindustrie zunehmend unter Innovationsdruck steht, was zusätzliche Herausforderungen hinsichtlich Digitalisierung und Sicherheit nach sich zieht. Gleichzeitig wird klar, dass die Frage, wie geopolitische Unabhängigkeit auch technisch gesichert werden kann, in den kommenden Jahren weiter für Diskussionen sorgen wird.

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