Manchmal sind es die fast unscheinbaren Drehmomente in der Politik, die später als Epochenwandel gedeutet werden. So wie jetzt: Laut dem Wirtschaftsmagazin Capital gibt es Überlegungen in der niedersächsischen Landesregierung, sich am Osnabrücker VW-Werk zu beteiligen. Das klingt zunächst, als ginge es um Sicherung von Arbeitsplätzen – aber im Hintergrund steht wohl etwas Größeres: der Umbau von der klassischen Automobilproduktion hin zu Rüstungsgütern.
Die Parallelen zum jüngsten Engagement bei der Meyer-Werft, wo Land und Bund sich mit je 40 Prozent einkauften, liegen für einige in Hannover auf der Hand – vielleicht gar ein neuer Handlungsfahrplan für gleich mehrere Standorte. Hintergrund: Schon 2027 soll es nach über einem Jahrhundert kein einziges Fahrzeug mehr in Osnabrück vom Band geben. Gespräche zwischen VW und dem israelischen Staatsunternehmen Rafael laufen angeblich auf Hochtouren; geplant ist, dort Komponenten für deutsche Flugabwehrsysteme herzustellen. Übrigens will VW weiterhin dabei bleiben – aber klar unter 50 Prozent. Minderheitseigner sein, Einfluss wahren und doch auf Wandel setzen scheint das Motto zu sein. So abrupt der Wechsel vom Auto zu Militärgütern klingen mag – es ist ein Szenario, das sich in Zeiten wie diesen beinahe zwangsläufig anbahnt.
Die Landesregierung Niedersachsen zieht eine Beteiligung am VW-Werk Osnabrück ernsthaft in Erwägung, um die Umstellung auf Rüstungsproduktion abzusichern und Arbeitsplätze zu erhalten. Dieser mögliche Einstieg wird als ein erprobtes Modell betrachtet, wie das Beispiel der Meyer-Werft zeigt, deren Rettung durch Landes- und Bundesengagement in Papenburg kürzlich gelang – ein Präzedenzfall, der nun Schule machen könnte. Berichten zufolge verhandeln VW und der israelische Rüstungskonzern Rafael über eine Übernahme von Produktionsteilen, insbesondere für Luftverteidigungssysteme für die Bundeswehr – ein Schritt, der perfekt in den aktuellen Trend der Diversifizierung von Industriebetrieben in Deutschland passt. Ergänzend dazu weist die Berichterstattung vieler Medien auf eine zunehmende Debatte um die Konversionspolitik in Deutschland hin: die Umwandlung klassischer Industriestandorte in sicherheitspolitisch bedeutsame Rüstungs-Hubs wird als Reaktion auf veränderte geopolitische Rahmenbedingungen gesehen.