Protestwelle bei Zalando: Mitarbeiter empört über WM-Engagement trotz Standort-Aus

Kurz vor dem WM-Start der deutschen Nationalelf sorgen die Beschäftigten des Hauptsponsors Zalando für Aufsehen: Sie demonstrieren gegen die geplante Schließung des Standorts Erfurt – und gegen die millionenschwere Marketingstrategie, die ihnen wie Hohn vorkommt.

heute 12:22 Uhr | 5 mal gelesen

Ehrlich gesagt – man reibt sich die Augen: Überall bunte WM-Symbole, und Zalando zahlt angeblich 60 Millionen Euro für sein Sponsoring. Gleichzeitig wird ein komplettes Logistik-Zentrum in Erfurt auf Eis gelegt, 2.700 Leute stehen womöglich bald ohne Job da. Tony Krause, der Betriebsratsvorsitzende, bringt die Stimmung im Gespräch mit dem 'Redaktionsnetzwerk Deutschland' auf den Punkt. Er spricht von einem krassen Widerspruch: Das Geld wird in Fußball und Marketing gebuttert, aber für die Menschen vor Ort bleibt gefühlt gar nichts übrig – sie werden behandelt wie überflüssiger Kram. Das Management hält dagegen: Fußball fördere den Zusammenhalt und die Marke, während die Schließung wirtschaftlich nötig sei, um zu schrumpfen und wettbewerbsfähig zu bleiben. Das sorgt für jede Menge Frust bei den Beschäftigten – die Auseinandersetzungen um den Sozialplan schleppen sich seit Wochen hin. Nach einer längeren Pause sind Betriebsrat und Unternehmensleitung zwar wieder am Tisch, aber gelöst ist gar nichts. Und im Hintergrund schwelt der Streit über Prioritäten weiter.

Bei Zalando kocht die Stimmung: Während die Schließung der Logistik in Erfurt noch auf dem Tisch liegt, sorgt das millionenschwere Sponsoring zur Fußball-EM bei den Angestellten für heftige Kritik. Viele empfinden es schlicht als Schlag ins Gesicht, dass für Imagepflege so viel ausgegeben wird, während ihre Jobs gefährdet sind. Laut aktuellen Berichten aus verschiedenen Medien hat das Unternehmen den Schritt mit Überkapazitäten begründet und verweist auf die Notwendigkeit zur Restrukturierung – trotzdem gibt es Proteste und noch keine Einigung über einen Sozialplan. Die Situation verschärft sich besonders, weil Zalando bisher keine klaren Pläne für einen fairen Beschäftigten-Ausgleich präsentiert hat. Zudem machen Gewerkschaften und Politik Druck auf das Unternehmen, mehr soziale Verantwortung zu übernehmen und zumindest einen großzügigen Sozialplan aufzusetzen. Trotz der anhaltenden Gespräche zwischen Betriebsrat und Management konnte bislang kein Durchbruch erzielt werden. Eine weitere Eskalation ist deshalb keineswegs ausgeschlossen.

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