Wenn ich an 2006 denke, spüre ich spontan wieder Bierbank und Grillgeruch – und so etwas wie gemeinschaftliches Glücksgefühl, wie es in Deutschland selten ist. Aber rückblickend: War die Weltmeisterschaft wirklich das große Fest, das alle im Kopf haben – oder war sie vor allem eine glänzende Hülle für Deals, Seilschaften und vielleicht sogar handfeste Skandale? Esther Sedlaczek, bekannt aus der "Sportschau", geht mit einer Riege von Zeitzeugen und Enthüllungsjournalisten auf Spurensuche – und das klingt erstmal nach einer bunten Mischung. Unter den Gesprächspartnern: nicht nur ehemalige DFB-Bosse wie Niersbach und Zwanziger oder der berüchtigte Sepp Blatter, sondern auch kritische Stimmen wie Martin Sonneborn oder die "Spiegel"-Reporter, die 2015 alles ins Rollen brachten. Ich persönlich finde es angenehm, dass hier nicht nur Experten und Offizielle, sondern auch Querdenker zu Wort kommen – schließlich lebt Geschichte nicht von Siegern allein. Der Podcast bleibt nie beim Offensichtlichen stehen. Stattdessen wechselt er geschickt zwischen schmunzelnder Nostalgie und pointierter Kritik. Im Grunde ist dieser Podcast eine Art Zeitreise durch Hinterzimmer, Hotelbars und Medienrummel – und spätestens, wenn es um mysteriöse Geldflüsse und ominöse "Freundschaftsdienste" geht, wird der Fußball plötzlich sehr unromantisch. Wer sich noch immer fragt, wie Deutschland an die WM kam, sollte diesen Podcast nicht verpassen. Mal wird gekichert, mal wird gestaunt, manchmal bleibt einem das Lachen aber auch kurz im Hals stecken. Produziert von bildundtonfabrik im Auftrag des SWR, erscheinen die sechs Teile ab 19. Mai wöchentlich bei ARD Sounds. Wer vorab reinhören will, kann als Journalist:in die ersten Folgen schon jetzt anfordern.
Der neue Podcast "Das Geld zu Gast bei Freunden" öffnet ein weiteres Kapitel in der Aufarbeitung des sogenannten Sommermärchens 2006: Hier geht es nicht einfach nur um Fußballromantik, sondern um Machtspiele, Intrigen – und um die Frage, wie schmutzig das Geschäft mit einer Weltmeisterschaft wirklich war. Aktuelle Kommentare und neue Recherchen belegen: Die Enthüllungen von 2015 sind längst nicht abschließend geklärt, und noch immer tauchen neue Unklarheiten rund um dubiose Zahlungen und geheimnisvolle Versammlungen auf. Gerade vor dem Hintergrund ähnlicher Skandale in der internationalen Sportpolitik wirkt der Podcast wie ein Versuchsraum, kollektive Erinnerung und kritischen Journalismus aufeinanderprallen zu lassen, und verweist damit auch auf aktuelle Debatten um Transparenz im weltweiten Fußballgeschäft.