Syriens Interimspräsident wirbt in Berlin um neuen Start
Ahmed al-Scharaa, Übergangspräsident Syriens, hat in Berlin zugesichert, sich stärker für Minderheitenrechte im Land einzusetzen. Im Gespräch mit Bundeskanzler Merz betonte er die Wichtigkeit von Vielfalt – und die schwierige Mission, Vertrauen zurückzugewinnen.
heute 14:56 Uhr | 6 mal gelesen
„Syrien ist ein Flickenteppich – und das im besten Sinne“, erklärte Ahmed al-Scharaa am Montag nach Gesprächen mit Friedrich Merz im gläsernen Kanzleramt. Er wolle, dass wirklich alle – egal welcher Herkunft oder Religion – ihre Rechte nicht nur auf dem Papier, sondern auch spürbar im Alltag bekommen. Mit Blick auf jüngste Reformbemühungen hob er ein Dekret hervor, das den Kurden erstmals bestimmte Rechte zuspricht – auch wenn man natürlich sagen muss: Papier ist geduldig, und die bittere Realität hinkt oft hinterher. Die Hoffnung: Nach dem Ende des Assad-Regimes könne ein neues Kapitel beginnen, in dem der oft brüchige Zusammenhalt der syrischen Gesellschaft wieder gefestigt wird. Merz lobte die Gesprächsbereitschaft, vor allem in Bezug auf die Integration kurdischer Kräfte in die offiziellen syrischen Armee-Strukturen. „Gewaltmonopol gehört zum Kern moderner Staaten“, so der Kanzler – und es klang, als wünsche er sich dabei genauso viel Konsequenz in der Umsetzung wie schöne Worte. Gleichzeitig ist klar: Auch wenn al-Scharaa sich neuerdings betont moderat gibt, haftet ihm die Vergangenheit als militärischer Anführer und teilweise sogar als mutmaßlicher Kriegsverbrecher noch an. Gerade Minderheiten bleiben skeptisch. Das Land ist nach wie vor von Unsicherheit und alter Angst durchzogen.
Ahmed al-Scharaa hat als syrischer Interimspräsident in Berlin die Bedeutung von Minderheitenrechten hervorgehoben, besonders im Hinblick auf die großen Herausforderungen im Land. Die kurdische Bevölkerung soll künftig stärker anerkannt und eingebunden werden, was mit konkreten Schritten wie einem neuen Regelungsdekret und der Integration der kurdischen Streitkräfte in die Landesarmee einhergeht. Dennoch bleibt die Lage in Syrien volatil: Die Vergangenheit al-Scharaas und die nach wie vor bestehenden Konflikte und Machtinteressen machen einen echten Neustart trotz aller westlichen Hoffnungen schwierig. Nach aktuellen Medienberichten setzt die syrische Übergangsregierung weiterhin auf Annäherung an den Westen, lässt aber echte Garantien für Minderheiten bisher vermissen. Internationale Beobachter berichten über anhaltende Spannungen, gezielte Gewaltakte gegen Minderheiten und schwierige Versuche von Dialog und Versöhnung – wobei Skepsis vorherrscht. In Nachbarländern wächst indes der Druck auf Europa, Syrien bei einer möglichen Stabilisierung intensiver zu unterstützen, auch im Hinblick auf Geflüchtete und den Wiederaufbau.