Evonik: Chef Kullmann vor erneutem Vertragsplus – Führung in Umbruchzeiten gefragt

Alles bleibt anders: Evonik steht wohl vor einer Vertragsverlängerung mit Vorstandschef Christian Kullmann – was steckt dahinter?

heute 14:56 Uhr | 4 mal gelesen

Mal ehrlich: In den aktuellen Fahrwassern – mit all den Marktschwankungen, Energiepreisen und globalen Unsicherheiten – kommt Beständigkeit beinahe einer Lebensversicherung gleich. Genau darauf setzt der Aufsichtsratsvorsitzende Bernd Tönjes im Gespräch mit dem "Handelsblatt". Kullmann, der amtierende Chef, steuert den Chemieriesen seit 2017 und nun könnte, obwohl sein Vertrag erst 2027 regulär ausläuft, im Sommer schon die Weichen für eine Verlängerung gestellt werden. Kuriose Randnotiz: Beim Aktienkurs sieht man bei Evonik offenbar noch viel Luft nach oben. Tönjes schiebt das aber nicht dem Management zu, sondern äußeren Einflüssen – vielleicht ein geschickt gewählter Sündenbock? Immerhin steuert Tönjes auch als Kopf der RAG-Stiftung die Geschicke eines grob halb so großen Anteilseigners. Bei Evonik selbst wartet man derweil noch auf einen neuen Finanzchef: Diese Funktion ist mittlerweile fast eineinhalb Jahre vakant. Und dann wäre da noch die gesenkte Dividende – wenig Grund zur Freude, sollte man meinen. Tönjes aber versucht, Zuversicht zu verströmen und verweist auf die zunehmend sportlich diversifizierte Ausrichtung der Stiftung. Fast schon cool sagt er: "Wir agieren heute viel unabhängiger – fast wie eine Investorin von nebenan."

Der Evonik-Aufsichtsrat steht in den nächsten Wochen vor einer bedeutenden Personalentscheidung: Die geplante Vertragsverlängerung von CEO Christian Kullmann dürfte dem Konzern Stabilität inmitten wirtschaftlicher Turbulenzen verleihen. Gleichzeitig zeigt sich, dass externe Bedingungen – von geopolitischen Unsicherheiten über Kostendruck bis zu verschärftem globalen Wettbewerb – den Aktienkurs stärker beeinflussen als das Management allein. Die RAG-Stiftung, Hauptaktionärin und mit eigenem diversifizierten Portfolio, kann die durch die gesenkte Dividende entstandenen Einbußen aus eigener Kraft kompensieren und gestaltet ihre Rolle als Großinvestorin zunehmend autonom. Jüngste Berichte zeigen zudem, dass in der deutschen Chemieindustrie insgesamt ein rauer Wind weht: Laut "FAZ" kämpfen etliche Firmen mit strukturellen Umbrüchen und gesellschaftlichen Debatten um Nachhaltigkeit und Lieferketten. Aus tagesaktuellen Recherchen bei Branchenmedien geht hervor, dass bei Evonik in dieser Woche auch erste Gespräche über die notwendige Nachfolge im Finanzressort begonnen haben. Europaweit werden unterdessen Fragen der industriellen Standortpolitik kontrovers diskutiert, da steigende Energie- und Personalkosten die künftige Wettbewerbsfähigkeit der Chemiefirmen infrage stellen.

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