Tarifbindung in Deutschland tritt auf der Stelle: 2025 wie gewohnt bei knapp der Hälfte

Fast die Hälfte aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland sind 2025 tariflich abgesichert – Stillstand statt Fortschritt.

heute 08:13 Uhr | 5 mal gelesen

Weder ein großer Ruck noch ein drastischer Einbruch: Laut aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes bleibt der Anteil der Beschäftigten in tarifgebundenen Betrieben 2025 bei 49 Prozent. Das klingt auf den ersten Blick solide, steckt aber voller Unterschiede, je nachdem, in welcher Branche man sich bewegt – oder in welchem Bundesland. So kommen etwa Beschäftigte im öffentlichen Dienst fast schon selbstverständlich in den Genuss eines Tarifvertrags (100 Prozent), während in der Land- und Forstwirtschaft kaum jemand tariflich abgesichert ist – wirklich mager: gerade einmal 10 Prozent. Besonders markant wirkt das Gefälle, wenn man schaut, wie gestapelt die Werte in Sektoren wie Energieversorgung (84 Prozent) oder Erziehung und Unterricht (79 Prozent) sind, während beim Gastgewerbe oder bei den Kreativschaffenden viel Luft nach oben bleibt (nur 23 beziehungsweise 21 Prozent).

Geografisch betrachtet zeigt sich ein sehr gemischtes Bild: Während Bundesländer wie Bremen oder das Saarland die 50-Prozent-Marke knacken, dümpeln Sachsen, Berlin und Schleswig-Holstein am unteren Rand herum. Viel Dynamik gibt es im Vergleich zum Vorjahr offensichtlich nicht – ein sturer Status quo, der Fragen aufwirft: Landen wir hier in einer Dauerstagnation?

Auch wenn die tarifliche Absicherung vieler Arbeitnehmer weiterhin bei knapp der Hälfte stagniert, bleibt die soziale Spaltung zwischen Branchen und Regionen sichtbar. Aktuelle Diskussionen fokussieren sich auf Möglichkeiten zur Stärkung der Tarifbindung, etwa durch politisch flankierte Maßnahmen wie ein erleichtertes Nachzeichnen von Tarifverträgen durch nicht organisierte Unternehmen oder gezielte Förderungen tariflicher Strukturen. Interessanterweise melden Gewerkschaften mittlerweile eine Zunahme der Tarifbindung in einzelnen Branchen wie dem Öffentlichen Dienst, während Dienstleistungs- und Kreativbereiche weiterhin Nachholbedarf haben. Neuere Debatten drehen sich auch um die Zukunft von Branchentarifverträgen angesichts des Booms von atypischer Beschäftigung und Plattformarbeit, sowie um die Frage, ob und wie junge Beschäftigte stärker für Gewerkschaften gewonnen werden können. Ein kleiner Hoffnungsschimmer: Besonders in einzelnen Bundesländern, etwa in Bremen, gibt es Initiativen zur Reaktivierung von Tarifverträgen. Noch bleibt aber unklar, ob damit der Durchbruch gelingt.

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