Commerzbank-Betriebsrat fährt heftige Kritik an Unicredit-Chef Orcel auf

Mit bisher ungewohnter Schärfe reagiert der Betriebsrat der Commerzbank auf das Vorgehen von Unicredit-Boss Andrea Orcel im Übernahmestreit.

heute 17:24 Uhr | 2 mal gelesen

Dass Herr Orcel ausgerechnet inmitten weltweiter Unsicherheiten wegen des Irankriegs und teurer Energiepreise eine mögliche Übernahme ins Spiel bringt, hält Sascha Uebel, Chef des Commerzbank-Betriebsrats, schlichtweg für verantwortungslos – um nicht zu sagen, ein starkes Stück. Seiner Ansicht nach gießt Unicredit damit Öl ins Feuer, während eigentlich Stabilität gefragt wäre. "Das bringt zusätzliche Unruhe unter Belegschaft und Kunden", wird Uebel zitiert. Von einer Investmentbank beraten, ist sich der Betriebsrat sicher: Die angebliche Synergie rechnet sich sowieso nicht – Unicredit müsste massive Sparmaßnahmen anstoßen. "So einfach wie bei der HVB läuft’s diesmal nicht", stellt Uebel klar und verweist aufs bittere Beispiel aus der Vergangenheit: Nach der HVB-Übernahme 2005 folgte ein massiver Stellenabbau. Doch anders als damals sieht sich die Belegschaft nun besser gewappnet: 2025 entstand eine Transformationsvereinbarung, außerdem gibt es einen Haustarifvertrag mit Verdi, der die erreichten Mitbestimmungsstrukturen mindestens bis 2030 zementiert. "Verdi kann Umbauvorhaben also auf Jahre blockieren", betont Uebel. Sein Fazit: Ohne die Zustimmung des Betriebsrats wird Unicredit zunächst kaum nennenswerte Einsparungen durchsetzen können.

Der Betriebsrat der Commerzbank sieht in dem Agieren von Unicredit-Chef Andrea Orcel eine gezielte Provokation in einer ohnehin extrem fragilen Zeit: Die Unsicherheit durch geopolitische Krisen – insbesondere im Nahen Osten – und Kostenexplosionen bei der Energie hätten, so die Argumentation, Stabilität zur wichtigsten Währung gemacht. Gerade angesichts der Erfahrungen nach der Übernahme der HypoVereinsbank durch Unicredit, die Zehntausenden die Arbeitsstelle kostete, ist der Argwohn groß. Branchenbeobachter halten es zudem für fraglich, ob Orcel seine ambitionierten Pläne ohne massive interne und externe Widerstände wird durchsetzen können, zumal Gewerkschafter und Betriebsräte selbstbewusst auf ihre vertraglichen Hebel verweisen. Aktuell berichten viele Medien außerdem über eine gesamtwirtschaftliche Unsicherheit im Zuge des Konflikts im Nahen Osten und den Herausforderungen für Banken durch gestiegene Zinsen und schwächelnde Konjunktur, die Fusionen im Bankensektor nicht unbedingt attraktiver machen. Hinzu kommt, dass die Commerzbank gerade erst kostspielige Umstrukturierungen hinter sich hat – die Bereitschaft zur erneuten Veränderung ist also ohnehin begrenzt.

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