„Wir haben die Zahl der Störungen bislang nur etwa halbieren können“, sagte Bahnvorständin Evelyn Palla dem 'Spiegel' mit einer Mischung aus Ehrlichkeit und Pragmatismus. Vielleicht, so räumt sie überraschend offen ein, sei man in den vergangenen Jahren mitunter zu zuversichtlich und wenig realistisch an die Mammutaufgabe herangegangen. Die Generalsanierung wird dennoch nicht infrage gestellt – zu viele Baustellen dulden keinen Aufschub. Früher, erzählt Palla, wurden Strecken immer wieder, teils nur teilweise, gesperrt. Die Pendler darunter wissen ein Lied davon zu singen – Mal wieder Zugausfälle, mal wieder dieselben Umwege. Jetzt verspricht die Bahn spürbare Verbesserungen beim Ablauf: „Mit jedem Sanierungskorridor lernen wir dazu“, sagt sie.
Dass die Projekte ehrgeizig und eng getaktet seien, räumt Palla ein, betont aber, dass viele Versäumnisse aus weit zurückliegenden Jahren herrühren: Zu lange habe man in der Bahn-Infrastruktur auf Verschleiß statt auf Investition gesetzt. Die Früchte der jetzigen Anstrengungen, so Palla fast schon mit leiser Ironie, werden die Fahrgäste erst verzögert ernten – vermutlich nicht vor Ende des Jahrzehnts. Aber: In der Zwischenzeit wolle man sich auf Dinge konzentrieren, „die bei den Menschen direkt ankommen“. Lieber ein verspäteter ICE mit funktionierender Toilette und Bordbistro, als gar nichts davon.
Was den tragischen Tod eines Zugbegleiters betrifft: Hier will Palla für mehr Sicherheit des Bahnpersonals sorgen. Jeder Kundenbetreuer, der will, bekommt eine Bodycam. Das Angebot gilt inzwischen für alle Mitarbeitenden mit Kundenkontakt. Einzig bei der Aufnahme von Tonmaterial stößt man bislang an Datenschutz-Grenzen – Palla hofft auf ein Einlenken der Politik.
Im Fall der Finanzchefin Karin Dohm, die nur kurzerhand bei der Bahn tätig war, verweist Palla die Verantwortung an den Aufsichtsrat. Über Abfindungsfragen will und könne sie nicht entscheiden – „das liegt außerhalb meiner Zuständigkeit“.
Die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Evelyn Palla, gesteht ein, dass die Fortschritte bei der Erneuerung des Bahnnetzes hinter den Erwartungen zurückbleiben. Statt schnell sichtbare Verbesserungen zu erzielen, erforderten langjährige Nachlässigkeiten – insbesondere mangelnde Investitionen und Priorisierungen – einen langen Atem. Laut aktuellen Medien ist die Unzufriedenheit nicht nur bei den Pendlern, sondern auch innerhalb der Politik gewachsen, weil zahlreiche Bauprojekte zu Einschränkungen im Bahnverkehr führen und die versprochenen Verbesserungen auf sich warten lassen. Zudem sorgt die Diskussion um die Sicherheit des Personals nach mehreren Zwischenfällen weiterhin für Debatten, während finanzielle und organisatorische Fragen im Bahnvorstand wegen der schnellen Personalwechsel offenbleiben. Neue Recherchen zeigen: Die Deutsche Bahn arbeitet mittlerweile mit Hochdruck an hochpriorisierten Baustellen wie dem Riedbahn-Korridor Frankfurt-Mannheim – der Zeitplan bleibt jedoch ambitioniert und eine schnelle Entlastung zeichnet sich laut aktuellen Presseberichten weiterhin nicht ab.