Kassen sehen Sturm aufziehen
Baas warnte im Gespräch mit dem 'Politico'-Newsletter 'Gesundheit', dass die Diskussion um stabile Beitragssätze noch lange nicht beigelegt sei. Wie lang, kann niemand sagen – zumal Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) bislang nicht mit echten Lösungen aufwarten konnte. Baas fordert: Wer ernstmacht mit stabilem Beitrag, muss tiefer ansetzen – alles andere sei Augenwischerei.Alte Gesellschaft, neue Probleme
Je älter wir als Gesellschaft werden, desto mehr Menschen brauchen Hilfe – das ist, streng genommen, ein alter Hut, aber einer mit tiefen Löchern. Die Kosten laufen, wie Baas beschreibt, längst aus dem Ruder, während die Beitragszahler ohnehin schon Schluckauf bei den Abzügen bekommen. Absurd wäre aber, einfach wild weiter zu erhöhen – angemessene Abgaben, die zu den Leistungen passen, fordert Baas.Corona-Loch, das keiner stopft
Die Pflegekassen schleppen immer noch das Defizit herum – ganze sechs Milliarden Euro entnahm der Bund in Pandemiezeiten. Baas verlangt, dass diese Gelder zurückgegeben werden, sonst bleibe die Kasse ein Fass ohne Boden. Außerdem sieht er bei den Sachleistungen Einsparpotenzial, ein Bereich, der von der Öffentlichkeit oft kaum wahrgenommen wird.Sparen auf dem Rücken Pflegender?
Sparen bei der Altersvorsorge für pflegende Angehörige? Für Baas ein No-Go: Wer Angehörige zu Hause betreut, stemmt eine enorme Last; bei den Rentenbeiträgen zu kürzen, hieße, den Falschen zu belasten. Er sagt offen: Die Verantwortung für diese Renten sollte nicht bei den Pflegebeitragszahler:innen liegen, sondern besser beim Staat.Warum eigentlich noch hoffen?
Die nächste Reform klopft zwar schon an die Tür – aber Baas bleibt nüchtern. Die Prognosen zu bremsen, sei schwierig, fast unmöglich – aktuell glaubt er nur zu etwa 50 Prozent an stabile Beiträge. Bleibt alles wie es ist, wird das ein Ritt auf der Rasierklinge sein – Ausgang offen, Nerven werden gebraucht.Jens Baas, Vorstand der Techniker Krankenkasse, äußert erhebliche Zweifel an einer nachhaltigen Stabilisierung der Beiträge zur Pflegeversicherung. Angesichts des demografischen Wandels – immer mehr Menschen werden älter und pflegebedürftig – steigen die Ausgaben fortlaufend an, während entscheidende Reformen und strukturelle Innovationen fehlen. Baas fordert einerseits die Rückzahlung von Pandemie-bedingt entnommenen Mitteln durch den Staat und lehnt es strikt ab, Rentenansprüche pflegender Angehöriger zu kürzen; diese Unterstützungsleistung sieht er klar in staatlicher Verantwortung.