Zugegeben, ein Auftakt nach Maß war das für den VfB Stuttgart nicht: Kaum hatte das Spiel begonnen, klingelte es schon im Kasten der Gastgeber. In der ersten Spielminute nutzte Luke McCowan die noch schlaftrunkene Defensive des VfB gnadenlos aus und schob eiskalt ins lange Eck ein – 0:1, und die Schotten feierten lautstark. Wer da dachte, die Hausherren würden komplett ins Wanken geraten, täuschte sich aber. Die Schwaben fingen sich rasch, übernahmen die Kontrolle und hatten deutlich mehr vom Ball. Dennoch: So richtig zwingend wurde es vorm Tor selten. Bouanani zwang Sinisalo mit einem Flachschuss zu einer Parade, Lewelings Versuch aus spitzem Winkel war eher eine Rückgabe als eine echte Prüfung. Celtic blieb seiner Underdog-Rolle treu, igelte sich hinten ein und versuchte es allenfalls mit vereinzelten Kontermomenten. Nach dem Wechsel das immer gleiche Bild: Stuttgart ließ Ball und Gegner laufen, während sich die Schotten darauf beschränkten, dem Spiel die Luft zu nehmen. Besonders mit der Einwechslung von Führich kam nochmal neuer Schwung – der Ball war öfter im Glasgower Strafraum als am Cannstatter Wasen. Einmal landete der Ball sogar im Netz (Führich, 68.), aber die Fahne des Linienrichters verhinderte das große Jubeln – Abseits. Fast identische Situation wenig später: Undav trifft, doch auch dieser Versuch zählte nicht wegen einer Abseitsstellung von Demirovic. In den letzten Minuten wurde es nochmal frenetisch auf den Tribünen – die VfB-Fans trieben ihre Mannschaft zu mehr Offensivdrang an. Führich und Undav hatten den Ausgleich auf dem Fuß, wollten die Kugel aber nicht im Netz unterbringen. Gästespieler Tounekti vergab in der Nachspielzeit noch eine dicke Konterchance gegen Nübel, dann war Schluss. Unterm Strich steht ein 0:1, das aus schwäbischer Sicht völlig zu verkraften ist. Der Polster aus dem Hinspiel reichte, um den Achtelfinal-Einzug souverän unter Dach und Fach zu bringen. Celtic wird sich immerhin darüber freuen, dass man im Rückspiel nochmal drei Zähler einfahren durfte.
Stuttgart zieht trotz 0:1-Heimniederlage gegen Celtic Glasgow ins Achtelfinale der Europa League ein, da das klare 4:1 im Hinspiel für ein insgesamt komfortables Weiterkommen sorgte. Das Gegentor in Minute eins änderte wenig am souveränen Auftreten der Schwaben, die das Spiel bestimmten, mehrere knappe Abseitssituationen aber ein Tor verweigerten sahen und in der Schlussphase etwas nervös wirkten. Auffällig ist, dass Stuttgarts Trainer Sebastian Hoeneß trotz der Niederlage vor allem die reife Spielanlage seiner Mannschaft lobte – in Interviews sprach er von „kluger Kontrolle“ und einem Spielstil, der das Team auch in zukünftigen europäischen Duellen tragen könnte. Zudem zeigt der aktuelle Lauf des VfB, dass das Selbstbewusstsein und der Glaube an die eigene Qualität weiter wachsen, was sich nicht nur in der Bundesliga, sondern ebenfalls im internationalen Wettbewerb bemerkbar macht. Das Publikum in der Arena unterstützte die Mannschaft bis zuletzt lautstark, ein Zeichen, wie sehr Stuttgart wieder in der Stadt angekommen ist. Zu den Gegnern im Achtelfinale gibt es verschiedene potentielle Lose; Zeit zum Durchschnaufen bleibt den Schwaben allerdings kaum, denn die nächsten Partien in der Liga und im Pokal stehen bereits an.