Botschafter Oleksij Makejew machte gegenüber dem 'Spiegel' klar: Vermittler braucht die Ukraine im russischen Angriffskrieg nicht – sondern Verbündete. Makejews Bedenken gegen Gerhard Schröder sind nicht nur pragmatischer, sondern auch moralischer Natur: Wer über Jahre hinweg Putins Interessen in Deutschland vertreten und davon profitiert habe, sei als Gesprächsführer schlicht disqualifiziert. Als zynischen Seitenhieb fügte Makejew an, Schröder solle nicht versehentlich am falschen Tisch landen – das klingt im ersten Moment fast humorvoll, schwingt aber eine tiefe Skepsis gegenüber Schröders Rolle und wahrer Haltung mit.
Auch im Bundestag gibt es wenig Unterstützung für den Vorschlag aus dem Kreml. Omid Nouripour, seines Zeichens Vizepräsident und Grünen-Politiker: Er nennt Putins Idee, Schröder ins Rennen zu schicken, schlicht 'einen schlechten Witz'. Interessant und ehrlich: Für Nouripour ist die positive Resonanz einzelner SPD-Mitglieder auf Putins Schröder-Vorschlag ein Alarmsignal – offenbar sitzt die alte Nähe Richtung Moskau in Teilen der Partei noch recht tief. Gleichzeitig betont er: 'Wir brauchen keine deutschen Vermittler, sondern eine geschlossene europäische Haltung.' Das Fazit: Sollten überhaupt Persönlichkeiten aus Deutschland in einer Vermittlerrolle vorgeschlagen werden, könne das – in einem EU-Kontext – grundsätzlich positiv sein.
Hintergrund: Putin brachte am Wochenende seinen langjährigen Freund Schröder als potenziellen Vermittler ins Gespräch. Die SPD scheint darauf zum Teil einzugehen, was die Debatte über die Russlandbeziehungen der Sozialdemokratie neu entfacht.
Die neuerliche Diskussion um eine Vermittlerrolle von Gerhard Schröder im Ukraine-Russland-Krieg sorgt für Differenzen in Politik und Öffentlichkeit. Während die ukrainische Seite kategorisch ablehnt, sieht man bei der SPD teils Offenheit für den Vorstoß, was alte Konflikte über die Russlandpolitik neu anheizt. Hintergrund ist, dass Schröder auch nach seinem Kanzleramt eng mit dem russischen Energiesektor und Präsident Putin verbunden blieb, was seit Kriegsbeginn immer heftiger kritisiert wird. International wie national bleibt die Skepsis groß, ob ein solch umstrittener und mit Putin befreundeter Akteur wirklich einen konstruktiven Beitrag zum Friedensprozess leisten könnte. Mittlerweile wird auch diskutiert, ob Vermittler nicht grundsätzlich europäisch – und nicht national – besetzt sein müssten. Aktuelle Entwicklungen zeigen außerdem, dass sowohl innerhalb der NATO als auch auf EU-Ebene der Konsens wächst, die Ukraine stärker zu unterstützen, statt auf diplomatische Einzelrollen wie Schröders zu setzen.
+++Update/Recherche+++: Die Ukraine hat bei der internationalen Geberkonferenz weitere militärische und finanzielle Unterstützung erhalten, während neue Waffenlieferungen von mehreren NATO-Staaten zugesagt wurden. Die innenpolitische Debatte in Deutschland um Schröders Russlandnähe bleibt hitzig; zugleich rücken die wirtschaftlichen Folgen des Krieges – besonders für Energie, Inflation und soziale Sicherheit – in den Fokus. Auf EU-Ebene wird intensiv an einem neuen Sanktionspaket gegen Russland gearbeitet, das den Druck auf Moskau nochmals erhöhen soll.