Public IT 2024: Wenn Künstliche Intelligenz Einzug ins Amtszimmer hält

Die Digitalisierung schreitet langsam, aber spürbar voran: Mit der Public IT lädt das bekannte Technikmagazin c't erstmals Digitalisierer aus Deutschlands Behördenwelt zu einer eigenständigen Konferenz nach Hannover. Bundesbehörden, Landesämter und Städte zeigen am 28. und 29. Oktober, wie sie ehrgeizige KI-Vorhaben praktisch umsetzen und ihre eigensinnigen Papierschlachten zähmen – und mehr als 90 Projekte stehen bereits in den Startlöchern. Ein Schritt, der Routinearbeit auf den Kopf stellt.

heute 16:00 Uhr | 2 mal gelesen

Die Veranstaltung richtet sich keineswegs nur an klassische Verwaltungsmenschen – neben IT-Verantwortlichen aus Ämtern sind auch Schulen, Krankenhäuser oder öffentliche Betriebe angesprochen. Interessanterweise soll genau das politisch-abstrakte Gerede diesmal draußen bleiben, wie c't-Redakteur Christian Wölbert betont; hier gehe es um greifbare Erfahrungsberichte, echte Baustellen, Reinfälle und Lösungen.

Keynote-Sprecher ist Stefan Latuski, Leiter der Bundesagentur für Arbeit. Eine Mammutbehörde mit über 90.000 Mitarbeitenden, die Cloud und KI längst im Lastbetrieb kennt. Schon am zweiten Tag gibt Dr. Alexander Georgiadis, IT-Leiter in Niedersachsen, Einblicke zwischen Wunsch nach Tempo und Sorgen um Datensicherheit.

Blickt man auf die Kommunen, wird es noch anschaulicher. Münchens KI-Projekt etwa scheiterte erst und wurde dann nachgebessert – jetzt läuft’s endlich. Fabian Reinold, der das KI-Team leitet, spricht offen über Fehler, Wendepunkte und den Pragmatismus, der am Ende siegte. Nürnberg setzt auf eine Arbeitsteilung: Routineaufgaben automatisieren Roboter, für die kniffligen Vorgänge springt die KI ein. Prozessautomatisiererin Lina Harispuru nennt dafür echte Alltags-Kostproben.

Ein paar Schritte weiter wagt sich Nettetal: Thorsten Rode fragt, ob das jahrzehntealte Prinzip starrer Einzellösungen durch flexible, moderne Ansätze ersetzt werden könnte. Vielleicht stehen wir, so Rode, am Anfang einer Zeit ohne die berühmten "Fachverfahren" für alles und jeden. Statt für jeden Spezialfall eine eigene Software zu beschaffen, geht’s künftig flexibler.

Natürlich bleibt das Thema Datensicherheit allgegenwärtig. Pamela Krosta-Hartl von Zentrums für Digitale Souveränität zeigt, wie Behörden Abhängigkeiten von US-Giganten bewerten. Dr. Patrick Grete vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik spricht praxisnah über Stolperfallen bei Cloud-Projekten – und woran Beamte oft scheitern.

Besonderes Augenmerk: Die Public IT ist explizit auch Bühne für Kommunen aus der zweiten Reihe wie Gütersloh oder Gifhorn. Großthema bleibt die Modernisierung der Register: ein Bürger meldet eine Änderung, und der Rest verknüpft sich automatisch. Klingt einfach? In der Praxis knirscht’s noch ziemlich.

Die Konferenz steigt im Hannover Congress Centrum. Aktionspreise für Frühentschlossene: Für Behördler 249€, für privatwirtschaftliche Teilnehmer 749€, jeweils plus MwSt. Weiteres Programm auf public-it.de.

Pressekontakt: Sylke Wilde, Heise Gruppe, sy@heise.de, Tel.: 0511 5352-290

Basierend auf der ursprünglichen Meldung von c't, bearbeitet und ergänzt.

Die Public IT-Konferenz ist ein neuer Treffpunkt für Deutschlands öffentliche Digitalisierer – egal ob aus Bundesbehörden, Städten oder Landesverwaltungen. Der Fokus liegt auf praktischer Anwendung und offenem Austausch über Fortschritte, Rückschläge und Lösungen beim Einsatz von KI sowie Automatisierung im Verwaltungsalltag. Besonders die Zusammenarbeit von Kommunen untereinander und mit Bundeseinrichtungen steht im Rampenlicht, denn viele der innovativen Projekte entstehen an der Schnittstelle zwischen lokalem Pragmatismus und bundesweiter Vernetzung. Gegenwärtig steht der Public Sector in Deutschland speziell bei der Modernisierung von Registern, der sicheren Cloud-Nutzung und dem kritisch-konstruktiven Umgang mit Abhängigkeiten von internationalen IT-Konzernen vor großen Aufgaben. Laut Recherchen auf den genannten Nachrichtenseiten gibt es aktuell weiterhin viele Hürden: Etwa die sehr unterschiedliche Transformationsgeschwindigkeit zwischen ländlichen Regionen und Metropolen, zögerliche Ressourcenfreigabe und Bedenken wegen Datenschutz (und nicht zu vergessen: neue Risiken durch Cyberangriffe auf sensible behördliche IT-Systeme). Aber auch positive Signale tauchen vermehrt auf, wie das Beispiel der konsequent umgesetzten Serviceportale in einzelnen Städten oder Initiativen für mehr digitale Teilhabe älterer Bürger zeigen. Insgesamt ist die Digitalisierung der Verwaltung ein Mammutprojekt, doch es bewegt sich etwas – mit all den Umwegen, Rückschlägen, aber auch Mutmachern, die echten Wandel ausmachen.

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