Kritik vom Ärztepräsidenten an Klingbeil: Ärztevertreter fordern ehrlicheren Umgang mit Kassenreform
Kurz vor Beginn des Deutschen Ärztetages in Hannover äußert sich Klaus Reinhardt, Chef der Bundesärztekammer, ungewöhnlich deutlich zur geplanten Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge. Nicht nur der aktuelle Entwurf von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) stößt ihm auf – auch die Haltung von Finanzminister Klingbeil sorgt für Unmut. Reinhardt bringt einen eigenen Vorschlag ins Spiel, um die schwierige Lage der gesetzlichen Krankenkassen zu entschärfen.
heute 16:58 Uhr | 4 mal gelesen
Die geplanten Finanzhilfen von Seiten des Bundes reichen bei weitem nicht aus – das stellt Ärztepräsident Klaus Reinhardt im Interview mit der FAZ klar. Laut ihm fehlen satte zwölf Milliarden Euro für die Gesundheit der Ärmsten, während Klingbeil lediglich einen Bruchteil davon, nämlich 250 Millionen, bereitstellen will und gleichzeitig den Bundeszuschuss um zwei Milliarden senkt. "Das ist ein schlechter Scherz", so Reinhardt, der eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung im Umgang mit der medizinischen Grundsicherung sieht. Sein Vorschlag: Zumindest drei Milliarden Euro als Soforthilfe für 2027 einplanen. Zugleich fordert er eine schonungslose Ehrlichkeit von der Politik, was mögliche Einschnitte betrifft – längere Wartezeiten und weniger Behandlungszeit dürften den Menschen nicht verschwiegen werden. Ein besonnener Vorschlag: Ein unabhängiges Gremium soll jeden reformpolitischen Schritt auf Wartezeiten, Personalüberlastung und Versorgungslücken prüfen. Auch Karenztage – als Hürde gegen das "Blaumachen" – hält Reinhardt für sinnvoll. Trotz aller Differenzen will er Gesundheitsministerin Warken mit einem Mindestmaß an Respekt auf dem Ärztetag begegnen. Und: Als Randnotiz fordert der Marburger Bund klar beschränkten Verkauf von Spirituosen nur noch in spezialisierten Shops.
Die Kritik des Ärztepräsidenten richtet sich derzeit vor allem auf die mangelnde Bereitschaft der Politik, eine adäquate Finanzierung für die gesetzliche Krankenversicherung sicherzustellen, besonders für Menschen in der Grundsicherung. Klaus Reinhardt fordert eine ehrliche Kommunikation zu den Folgen von Sparmaßnahmen (z.B. längere Wartezeiten) und schlägt als Kontrollinstanz einen unabhängigen "Versorgungs-TÜV" für gesundheitspolitische Reformen vor. Recherchen zeigen: Die Debatte um die Finanzierungslücken der GKV bleibt hochpolitisch – verschiedene Medien berichten aktuell, dass die Ampel-Koalition intern weiter um Kompromisse ringt, während Praxen warnen, dass eine chronische Unterfinanzierung zu Versorgungsengpässen führen kann – etwa im ländlichen Raum, wo Wartezeiten schon heute teils Wochen betragen (vgl. SZ, Zeit, taz, Stand Juni 2024). Außerdem fordern die Ärztekammern und Gewerkschaften einen Kurswechsel, um nachhaltige, gerechte Strukturen zu schaffen. Neue Vorschläge reichen von Beitragsanpassungen über Strukturreformen bis zu gezielter Entbürokratisierung.