NRW-Umweltminister will Textilhersteller zu Kostenübernahme bei Altkleidern verpflichten

Oliver Krischer, Umweltminister von NRW, pocht auf ein neues Textilgesetz: Hersteller sollen für die Entsorgung ausgedienter Kleidung mitbezahlen.

heute 17:27 Uhr | 2 mal gelesen

Altkleiderberge wachsen und die Situation wird immer verzwickter – davon berichtet NRW-Umweltminister Krischer in der 'Rheinischen Post'. Die Qualität der aussortierten Klamotten lässt oft zu wünschen übrig, viele Stücke taugen nicht einmal mehr fürs Second-Hand-Regal, geschweige denn für wohltätige Sammlungen. Kommunen und gemeinnützige Organisationen ächzen unter der Last, sie geraten allmählich an einen Punkt, den man wohl als Kippe bezeichnen könnte. Krischer sieht eine akute Schieflage und fordert einen radikalen Kurswechsel: Die Modeindustrie müsse beim Thema Müllentsorgung endlich mit ins Boot geholt werden. Bisher wälzen Sammler und Städte die Kosten ab – das sei nicht mehr tragbar. Besonders ruiniert Fast Fashion, also billige, kurzlebige Kleidung, das System: Sie verstopft die Container, ihr Recycling ist oft ein Ding der Unmöglichkeit. Zahlen aus NRW illustrieren den Trend: Während 2012 noch 16.184 Tonnen Altkleider getrennt gesammelt wurden, stieg die Menge bis 2024 schätzungsweise auf über 36.000 Tonnen an. Krass, oder? Was privat oder von Unternehmen gesammelt wird, bleibt sogar unerwähnt. Ein Hoffnungsschimmer: Das Bundesumweltministerium hat im Frühjahr mit einem Eckpunktepapier den Weg für ein weitreichendes Textilgesetz bereitet – das letzte Wort ist aber noch nicht gesprochen.

Der Druck auf die Altkleidersammlung in NRW ist deutlich spürbar: Die ständig wachsende Flut, vor allem minderwertiger und kaum weiterverwendbarer Fast Fashion, gefährdet das bestehende Sammelsystem, das hauptsächlich von Kommunen und gemeinnützigen Organisationen getragen wird. NRW-Umweltminister Krischer fordert deshalb eine klare gesetzliche Regelung, die die Textilhersteller in die Pflicht nimmt, sich an Entsorgungs- und Recyclingkosten zu beteiligen. Bundesweit diskutiert man mittlerweile über ein Textilgesetz, ein entsprechendes Eckpunktepapier der Bundesregierung liegt bereits vor. Neuere Entwicklungen belegen zudem, dass auch in weiteren Bundesländern die Kritik an Fast Fashion lauter wird; der BUND fordert zum Beispiel eine europaweite Regelung und berichtet über innovative Recyclingansätze in den Niederlanden. In Frankreich gibt es bereits ein ähnliches Gesetz zur erweiterten Herstellerverantwortung, das als Vorbild für Deutschland genannt wird. Laut einer heute veröffentlichten Studie der Deutschen Umwelthilfe werden jährlich etwa 391.000 Tonnen Kleidung in Deutschland entsorgt, wobei schätzungsweise 60% davon aus nicht recyclingfähigen Synthetikfasern bestehen – Umweltexperten plädieren daher für einen Fonds zur Förderung langlebiger und reparierbarer Textilien.

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