Verwaltungsdigitalisierung: Wenn Behörden kooperieren, geht’s voran – Eindrücke vom VITAKO-Abend mit Politik und IT

Berlin – Digitale Verwaltung bleibt ein deutsches Dauerthema. Wie der gordische Knoten aus Bund, Ländern, Kommunen und ihren IT-Dienstleistern vielleicht doch zu durchschlagen ist, debattierten Abgeordnete und Branchenexperten beim politischen Abend von VITAKO am 25. Juni im Haus der Bundespressekonferenz. Heraus kam eine Mischung aus Optimismus, Kritik an versäumter Abstimmung und ein Blick auf die Mammutaufgabe Governance.

heute 09:25 Uhr | 4 mal gelesen

Bei der Veranstaltung machte Prof. Dr. Martin Hoffmann, Bürgermeister und Wirtschaftsinformatiker, gleich zu Beginn klar: Fortschritt gibt’s nur mit einer starken digitalen Infrastruktur. William Schmitt von VITAKO schloss sich an und skizzierte, wie dringend Standardisierung und gemeinsame Innovationskraft nötig sind. Was als technologisches Thema daherkommt, ist in Wahrheit pure Politik: Der "Deutschland-Stack" wurde als Schlüssel zur effizienten und interoperablen Verwaltung ausgerufen, quasi als gemeinsames IT-Fundament für die Behörden in Städten, Landkreisen und Ministerien. Die Podiumsdiskussion – halb bunt gemischt, halb Insider-Runde – drehte sich schnell um bekannte Schwachstellen: Das Onlinezugangsgesetz, ursprünglich als Meilenstein gefeiert, habe zu viele Akteure mit zu wenig Abstimmung zurückgelassen. Es brauche verbindliche Governance und mehr Verantwortungsbewusstsein statt Zuständigkeitsschach. Die Runde war sich einig, dass es klare Bilder vom Ziel und transparente Abläufe braucht, aber auch unabhängige lokale IT-Kompetenz, die besonders aus der kommunalen Landschaft kommt. Ralph Brinkhaus mahnte: "Klarere Strukturen, weniger Fingerpointing – der Staat muss handlungsfähig werden, sonst verheddern wir uns ewig im Zuständigkeitsdschungel." Sein Kollege Dr. Moritz Heuberger betonte, Praxistauglichkeit und Standards sollten Vorrang haben, und bat darum, die Kommunen nicht auf den Kosten sitzen zu lassen. Parsa Marvi schloss den Reigen mit dem Hinweis: "Digitale Innovationsprojekte wie der Deutschland-Stack laufen nur gemeinsam und offen, nicht mit Einzellösungen in jedem Rathaus.“ Die Vertreter von IT-Dienstleistern wie Dataport und Komm.ONE gaben Einblick in ihren Wandel vom Datenspeicher zum Innovationstreiber. Lars Hoppmann fasste zusammen: Die Modernisierung der Verwaltung hängt an gemeinsamer Anerkennung der IT-Dienstleister auf allen Ebenen – auch bei der Finanzierung und Gesetzgebung. Offen blieb letztlich: Wird diese Erkenntnis diesmal wirklich zur Strategie?

Die Digitalisierung der deutschen Verwaltung bleibt trotz jahrelanger Bemühungen schwierig: Komplexe Koordinationswege, Unsicherheiten bei Zuständigkeiten und fehlende einheitliche Standards bremsen den Fortschritt spürbar. Beim politischen Abend von VITAKO wurde betont, dass der Deutschland-Stack, die Einbindung kommunaler IT-Dienstleister sowie eine klare Governance-Struktur zentrale Elemente für eine erfolgreiche Modernisierung sind. Trotz vieler Initiativen – etwa der geplanten Deutschland-App und der EUDI-Wallet – mangelt es an konsistenter Umsetzung und finanziellen Spielräumen insbesondere auf kommunaler Ebene. Aktuelle Recherchen zeigen: Laut FAZ wachsen die Sorgen bei Kommunen, dass sie durch die Digitalisierung finanziell überfordert werden könnten; DIE ZEIT berichtet von Verzögerungen bei Digitalisierungsprojekten durch Bürokratie und Uneinigkeit zwischen Bund und Ländern. Die Süddeutsche Zeitung hebt hervor, dass erfolgreiche Pilotprojekte häufig an fehlendem politischen Rückhalt und Schnittstellenproblemen scheitern.

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