Waldsiedlung Zehlendorf: Neues Kapitel im Unesco-Welterbe

Die traditionsreiche Waldsiedlung Zehlendorf wurde kürzlich als siebter Baustein der Berliner Moderne offiziell in die Unesco-Welterbeliste aufgenommen.

heute 11:03 Uhr | 2 mal gelesen

Das letzte Wort kam diesmal aus Südkorea: Während ihrer diesjährigen Zusammenkunft in Busan entschied das Unesco-Welterbekomitee, die Waldsiedlung Zehlendorf als weitere Ikone des „Neuen Bauens“ in ihren illustren Kreis aufzunehmen. Seit 2008 stehen bereits sechs Berliner Siedlungen auf der Liste – ein Ensemble, das nicht bloß Architekturliebhaber anzieht, sondern auch von einer bewegten Großstadthistorie erzählt. Entworfen zwischen 1926 und 1932 von Bruno Taut – im Schulterschluss mit Hugo Häring und Otto Rudolf Salvisberg – ist die Siedlung mit ihren farbenprächtigen Fassaden, begrünten Freiräumen und schnörkellos klaren Formen ein Paradebeispiel für den Wohnbau jener Zeit: Maxime „Licht, Luft und Sonne“ inklusive. Jeder Balkon, jeder Garten, selbst die kleinen Loggien scheinen damals wie heute Ausdruck dieses fortschrittlichen Geistes. Besonders stolz zeigt sich Kerstin Pürschel, deutsche Unesco-Botschafterin: Sie betont den einzigartigen Mix aus Natur, städtischer Infrastruktur und Architektur, der die Waldsiedlung zur idealen Ergänzung des bestehenden Welterbes macht. Für Berlin ist das mehr als nur ein weiterer Haken auf der Landkarte – es ist eine internationale Anerkennung für ein Lebensgefühl. Weltweit umfasst die Welterbeliste aktuell über 1.250 Stätten. Etwa ein Dutzend steht jedes Jahr vor der Möglichkeit, neu aufgenommen zu werden; rund fünf Dutzend gelten derzeit als bedroht. Deutschland hält nach aktuellem Stand 55 Welterbebesitzungen.

Die Aufnahme der Waldsiedlung Zehlendorf ins Unesco-Welterbe wirft ein Schlaglicht auf die architektonische und soziale Avantgarde der Berliner Moderne. Die Siedlung gilt als wegweisendes Beispiel für urbanes Wohnen, das Gesundheitsaspekte, Gemeinschaftssinn und den Bezug zur Natur in den Mittelpunkt rückt – Werte, die überraschend zeitgemäß geblieben sind. Interessant ist außerdem, dass die Unesco bei der Auswahl stets auch den Erhaltungszustand prüft, weshalb eine kontinuierliche Pflege und behutsame Weiterentwicklung solch historischer Orte von Bedeutung bleibt. Laut aktuellen Medienberichten hat das Welterbekomitee in diesem Jahr insgesamt 30 Stätten auf der Agenda, davon viele, die für ihre jeweilige Region ebenso identitätsstiftend sind wie die Berliner Siedlungen. Zwischen Erhaltungsdruck und touristischem Andrang balancieren kann jedoch nicht jede Kommune – ein Spannungsfeld, das lokale Verwaltungen und Bewohner vor Herausforderungen stellt.

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