Weltweiter Notstand bei Ingenieur-Nachwuchs: Fachkräftemangel bremst Innovation und Infrastruktur

Wer wollte, könnte es als Ironie des Fortschritts betrachten: Während die Welt nach KI und nachhaltigen Energien ruft, fehlen gerade die Menschen, die all das verwirklichen könnten. Fast drei Viertel der Arbeitgeber, so zeigt ein frischer Bericht von Manpower, suchen vergeblich nach Ingenieuren – egal ob für Brücken, Solardächer, Stromleitungen oder hochmoderne Rechenzentren. Die Lage ist mehr als angespannt, und ohne entschlossene Gegenmaßnahmen droht der Technikmotor in Europa schlicht zu stottern.

heute 09:05 Uhr | 3 mal gelesen

Wenn irgendwer im Moment die Zukunft (sinnbildlich) auf seinen Schultern trägt, dann sind es wohl die Ingenieurinnen und Ingenieure. Ohne sie kein flackerndes Smart Home, keine stabile Brücke, keine sichere Stromversorgung – und, mal ehrlich, auch keine KI, die unsere Welt nachhaltiger machen soll. Laut aktuellem Report der ManpowerGroup herrscht jedoch überall Ebbe: 73 Prozent der Firmen, so klagen sie, finden nicht die Menschen, die die vielen Bau- und Technikprojekte schultern könnten. Besonders gravierend ist die Lage im Bauwesen, in der Energieversorgung und – für die Halbleiter-Lobbyisten fatal – im Hightech-Sektor. Europa ringt dabei nicht nur mit dem eigenen Nachwuchs, sondern auch mit dem globalen Wettbewerb: Gerade in Bereichen wie Luft- und Raumfahrt droht Expertise verloren zu gehen, weil viele erfahrene Profis kurz vor der Rente stehen. Was man vielleicht noch unterschätzt: Der Nachwuchs bleibt aus, und mit ihm frische Ideen. Nur 28 Prozent der MINT-Positionen gehen an Frauen, Vielfalt stagniert also auch. Zeitgleich wechseln Schlüsselpersonen das Büro gegen das Wohnzimmer, und das Know-how droht mitzuschwimmen Richtung Ruhestand. Eine kollektive Unsicherheit schleicht durch die Personalabteilungen, während milliardenschwere Infrastrukturprojekte auf Engpässen basieren, die sich nur langsam auflösen lassen. Der Strombedarf für Rechenzentren, die das Rückgrat von Digitalisierung und KI-Anwendungen bilden, soll sich laut Schätzungen bis 2030 schlicht verdoppeln. Ach übrigens, Halbleiter: Da werden europaweit 100.000 Experten fehlen, während der Markt explodiert. Unternehmen werden gezwungen, immer kreativer nach Talenten zu suchen, Kompetenzen statt Abschlüssen zu bewerten und den teuren Wissenstransfer zu meistern. Und neben all dem lockt die KI – sie soll helfen, ist aber eher ein Werkzeug denn ein Heilmittel und macht weder Baukräne noch Stromleitungen eigenhändig besser. Kurz gesagt: Wer heute auf kluge Workforce-Strategien und Partner verzichtet, wird wohl Projekte verschieben müssen – und das ausgerechnet zur Hochzeit von Energiewende, Digitalisierung und Infrastruktur-Boom. Ein lösbares Problem? Vielleicht, aber bestimmt nicht im Alleingang.

Weltweit fehlen qualifizierte Ingenieurinnen und Ingenieure, und gerade in Europa ist das Problem akut – mit gravierenden Folgen für Energie-, Infrastruktur- und Digitalprojekte. Neben der Demografie, die viele erfahrene Fachkräfte in den absehbaren Ruhestand schickt, steigt der Druck durch die exponentielle Nachfrage, insbesondere in den Sektoren Halbleiter, Energie und Bau. Laut Manpower liegen die Hebel bei breiteren Recruiting-Strategien, systematischem Wissenstransfer und einem neuen Denken darüber, was Talente wirklich auszeichnet – wobei KI zwar hilft, aber Talentmanagement und Weiterbildung ersetzt sie nicht. Neue Details aus aktuellen Recherchen: In Deutschland, so berichtet die Süddeutsche Zeitung, herrscht bereits in den Ingenieurstudiengängen akute Unterbesetzung, wobei die Zahl der Absolventen laut Statistischem Bundesamt letztes Jahr so niedrig war wie noch nie. Digitale Initiativen werden zwar ausgebaut, aber laut Bericht der FAZ wächst die Lücke vor allem in ländlichen Entwicklungsprojekten weiter, weil große Städte Talente abziehen. Ein DW-Artikel betont, dass auch die Hoffnung auf ausländische Fachkräfte an schwierigen Anerkennungsverfahren und Sprachhürden scheitert, was den Bedarf weiter verschärft.

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