Max verdient seinen Lebensunterhalt als Okularist: In einer kleinen Frankfurter Werkstatt modelliert er aus Glas die Details künstlicher Augen, so präzise, dass kaum jemand den Unterschied zum Original ausmachen könnte. Er selbst ist zurückhaltend, fast etwas in sich gekehrt – die Liebe scheint für ihn längst ein abgeschlossenes Kapitel. Bis Anna in sein Leben tritt. Ihre Begegnung löst in ihm eine ungeahnte Erschütterung aus – wie ein Gewitter, das über Nacht alles verändert. Doch: Anna ist gebunden, verheiratet. Es bleibt nur ein kleiner Raum für ihre Zweisamkeit – flüchtige Begegnungen, heimliche Momente zwischen Pflicht und Sehnsucht. Max stürzt in einen Sturm von Gefühlen, irgendwo zwischen Glückstaumel und Zweifel. Thomas Hettche nähert sich diesem Überwältigtwerden von Liebe mit einer Empathie, die schmerzt und wehmütig macht – und die sich gegen alle Vernunft behauptet. Matthias Brandt findet bemerkenswerte Worte für diese absolute, kompromisslose Hingabe: Nicht das, was uns die Gesellschaft als Norm verordnet, prägt hier die Liebe – sondern das Fühlen in vollem Ernst. Martina Gedeck beschreibt die Erfahrung als einen inneren Ausnahmezustand: Verliebtsein, das ganze Dasein wird zum Vibrieren gebracht – auf einmal weiß man, wie wenig man Kontrolle hat. Inszeniert wurde das Ganze von Leonhard Koppelmann, die Musik – mal leise, mal explosiv – stammt von Jens Thomas. Neben Brandt und Gedeck, die Max und Anna ihre Stimmen leihen, sind Heikko Deutschmann, Maren Eggert, Felix von Manteuffel, Torben Romainczyk, Nele Rosetz und Alicia Weiß mit dabei. 'Liebe' kann ab dem 18. März auf ARD Sounds gestreamt werden. Die Radiosendung läuft am 6. April auf hr2-kultur.
Das Hörspiel 'Liebe', basierend auf Thomas Hettches aktuellem Roman und prominent besetzt mit Matthias Brandt und Martina Gedeck, widmet sich dem selten thematisierten Phänomen einer späten, aber dafür umso intensiveren Liebe. Der Okularist Max, der sich schon als 'zu alt' für Verliebtheit empfindet, erlebt eine emotionale Achterbahnfahrt, als er die verheiratete Anna kennenlernt. Gerade das Thema Liebesglück im Alter, die Sehnsucht nach Nähe und das Risiko, gesellschaftliche Konventionen zu übertreten, werden präzise wie sensibel ausgelotet – ein Umstand, der dem Hörspiel sowohl Tiefe als auch Aktualität verleiht. Nach Recherche aktueller Artikel* bleibt festzuhalten: Die Inszenierung trifft nicht nur einen Nerv der Zeit, in der viele Menschen an späte Veränderungen in ihrem Leben glauben, sondern öffnet auch den Blick dafür, wie wenig Liebe an Alter, Status oder Vernunft gebunden ist. Brandt und Gedeck verleihen den Figuren eine intensive Innenschau, die Hörer*innen in den Sog der Geschichte zieht. *weitere Details siehe Erweiterung.