Eigentlich ist es jedes Mal ein wenig wie ein Warten auf den anderen Schuh – wann kommt El Niño, wie stark wird er ausfallen und was bedeutet das konkret? Verlässliche Antworten gibt es nie, aber die Modelle deuten diesmal doch recht eindeutig auf mindestens eine moderate, tendenziell aber sogar starke Ausprägung hin. Die Rede ist von deutlich erwärmten Meeresoberflächen im zentralen und östlichen Pazifik, die zwischen Ende April und Mitte Mai bereits sogenannte Schwellenwerte für El Niño erreicht haben. Teilweise steigen die Wassertemperaturen dort um mehr als sechs Grad (ja, sechs Grad!) über das Übliche. Das bedeutet nicht nur eine Art gigantische Badewanne im Ozean, sondern auch, dass enorme Mengen zusätzlicher Wärme zur Verfügung stehen. Atmosphärisch zeigt zudem der Südliche Oszillationsindex, dass die Zeichen tatsächlich auf El Niño stehen, auch wenn der genaue zeitliche Verlauf wie immer ein bisschen ungewiss bleibt.
Was dabei ein wenig beunruhigt: UN-Generalsekretär António Guterres macht keinen Hehl daraus, wie ernst er die Lage sieht. El Niño sei in den nächsten Monaten praktisch sicher – eine 'dringende Klimawarnung'. Er mahnt erneut, fossile Brennstoffe konsequent hinter sich zu lassen und beim Ausbau erneuerbarer Energien aufs Tempo zu drücken. Die WMO stellt in Aussicht, den Verlauf engmaschig zu verfolgen und möglichst frühzeitig alle relevanten Akteure aus Politik, Hilfsorganisationen und betroffenen Bereichen auf dem Laufenden zu halten.
Zur Einordnung: El Niño ist kein Standardereignis, sondern ein unregelmäßiges Störfeuer der Natur – meistens alle vier Jahre, manchmal seltener oder öfter. Die Folgen reichen von flirrenden Dürren, sintflutartigen Regenfällen bis zu extremen Hitzewellen; übrigens nicht nur an Land, sondern auch im Wasser. Gerade das letzte große El-Niño-Intermezzo 2023/24 war laut WMO unter den fünf intensivsten seit den 1950ern und hat ganz nebenbei 2024 mit zu den höchsten je gemessenen Durchschnittstemperaturen getrieben. Bleibt zu hoffen, dass diesmal die Netze der Vorsorge eng genug geknüpft sind.
El Niño gilt als einer der mächtigsten Motoren für globale Wetterschwankungen – und steht laut meteorologischen Prognosen erneut vor der Tür. Das Ereignis bringt nicht nur Dürren und Überschwemmungen mit sich, sondern ist auch einer der Booster für Rekordhitze weltweit. Neuere Daten der NOAA und der NASA bestätigen, dass das zurückliegende El-Niño-Ereignis 2023/24 signifikant zu den weltweit heißesten Jahren seit Messbeginn beigetragen hat; zudem waren landwirtschaftliche Erträge in vielen Regionen rückläufig und das Artensterben in einigen Ozeanregionen beschleunigte sich durch Hitzestress. Länder im Pazifikraum bereiten Notfallpläne vor, während Experten in Australien und Südostasien bereits mit außergewöhnlichen Wetterextremen rechnen. Gleichzeitig warnen Klimaforscher davor, El Niño als „reines Naturphänomen“ abzutun – der Klimawandel verstärkt laut aktuellen Studien sowohl Häufigkeit als auch Intensität der Ereignisse.