Zinsentscheid der US-Notenbank lässt Wall Street weiter abrutschen

Nach den Signalen der US-Notenbank zur Zinspolitik rutschten die amerikanischen Aktienmärkte deutlicher ins Minus.

heute 21:23 Uhr | 3 mal gelesen

Die Wall Street war nach dem Zinsentscheid am Mittwoch so aufgekratzt wie ein Drahtseil im Sturm – nur eben mit fallenden Kursen. Der Dow Jones büßte rund 1,6 Prozent ein und pendelte damit auf 46.225 Punkte zurück; der S&P 500 gab 1,4 Prozent auf 6.625 Punkte nach. Auch die Tech-Riesen im Nasdaq 100 mussten Federn lassen: Minus 1,4 Prozent – 24.425 Punkte lauteten hier die nüchternen Zahlen. Die Stimmungsabkühlung hat ihren Auslöser: Zwar ließ die Fed, wenig überraschend im aktuellen Umfeld, den Leitzins unverändert. Doch zwischen den Zeilen war herauszulesen, dass die Tür für baldigere Zinssenkungen erstmal zu bleibt. Stattdessen klang aus der Fed viel Skepsis angesichts globaler Unsicherheiten vor allem wegen des Nahost-Konflikts – eine wabernde Ungewissheit, wie sie Jerome Powell benannte, dazu noch ein überraschend kräftiges Inflationsziel von 2,7 Prozent (im Vorjahr waren es noch 2,4). Solche Werte signalisieren: Von Lockerungen keine Spur! Auch Zölle könnten den Index weiter anschieben, so die vorsichtige Botschaft aus Washington. Der Markt reagierte dann auch ziemlich typisch: Der Ölpreis schnellte weiter nach oben (Brent, 109,80 Dollar pro Fass, satte 6,2 Prozent plus), während der Euro gegen den Dollar einknickte. Nur Gold? Das verlor offenbar seinen Glanz: Die Feinunze lag am Abend bei 4.821 Dollar – ein deutlicher Rückgang von 3,6 Prozent.

Die Reaktion der US-Börsen auf die geldpolitische Zurückhaltung der Federal Reserve war deutlich negativ. Das Vertrauen der Anleger wankte, nachdem die Fed nicht nur eine anhaltend restriktive Haltung signalisierte, sondern auch die Inflationsprognose nach oben korrigierte. Neben den Aktienmärkten gerieten auch andere Anlageklassen in Bewegung; steigende Ölpreise und ein fallender Eurokurs unterstrichen die Unsicherheit, während Gold trotz Krisenzeit abtauchte. Auffällig ist, dass Jerome Powell mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Zinssenkung mehr während seiner Amtszeit durchsetzen wird; die Märkte müssen sich also auf andauernd hohe Leitzinsen einstellen. Mehrere Analysen am Morgen danach weisen zudem auf die größere Verunsicherung der Märkte wegen potentieller geopolitischer Schocks hin – insbesondere im Energiebereich, wo ein hoher Ölpreis die Inflation weiter antreibt.

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