Die beiden Turmpaare der Glanzstoff-Fabrik ragen bis heute als stille Zeugen der industriellen Ära in den Himmel von St. Pölten – lange Zeit waren sie das unverwechselbare Markenzeichen dieses Stadtteils. Seit einigen Jahren allerdings bekommen sie ein zweites, ungewohntes Leben eingehaucht, spätestens mit Brigitte Kowanz’ Lichtinstallation "Fountain" und nun, seit Kurzem, mit Martin Waldes „Luftlinie“.
Diese Türme, zwischen 1906 und 2008 Teil einer wichtigen Industriegeschichte, beherbergen heute kulturelle Experimente. Die ehemalige Konerei – konkret jener Teil des Werks, wo Fäden auf Spulen gezogen wurden – hat sich in einen Veranstaltungsort verwandelt, ohne ihre industrielle Vergangenheit ganz abzustreifen. Überhaupt, wer an geordnete Linien denkt, landet schnell bei Fäden und Textilem; doch Waldes Ansatz bleibt vielschichtig.
Fadenverlauf auf neue Art
Martin Walde verwendet das Motiv der Linie – so grundlegend wie universell – als spielerische, aber auch nachdenkliche Geste. Seine "Luftlinie" ist freigestellt, unabhängig, ja fast schon reizvoll nutzlos. Sie ist weder ein Faden der Textilproduktion noch ein Nutzweg – vielmehr eine Einladung: den Turm neu zu sehen, die Luft mit dem Blick zu durchmessen, sich vielleicht an das Flattern eines Vogels, den Pfad eines Gedankens erinnert zu fühlen. In Waldes Arbeit existiert die Linie nicht für einen praktischen Zweck, sondern für die Möglichkeit, Geschichte, Architektur und die eigene Wahrnehmung neu zu vernetzen.
„Die Linie ist immer auch ein Spiel“, resümiert Walde – und wenn man es sich recht überlegt: Vielleicht sind gerade solche nutzlosen Spiele, solche Umwege, der eigentliche Luxus und Reiz von Kunst im Raum zwischen Tradition und Neuanfang.
Wer neugierig geworden ist, sollte die Website von Martin Walde besuchen: http://www.martinwalde.at
Kontakt: CAG GmbH & Co KG, Ansprechpartnerin: Maria Bader, Tel.: +43 2762 500 151, E-Mail: luftlinie@glanzstoff.at
Martin Waldes "Luftlinie" ist nicht nur eine skulpturale Intervention im Areal der ehemaligen Glanzstoff-Fabrik St. Pölten, sondern auch ein spielerischer Dialog mit der industriellen Vergangenheit der Stadt, der Brigitte Kowanz' Werk ergänzt. Mit der Installation gelingt es Walde, einen unsichtbaren Faden aus Geschichte, Landschaft und Betrachtenden zu spinnen: Seine Linie ist weder Weg noch Grenze, sondern ein Impuls, Wahrnehmung und Raum immer wieder neu zu erleben. Die künstlerische Umdeutung dieser Industrieikone fügt sich ein in den aktuellen Trend, verlassene Produktionsorte mit Gegenwartskunst aufzuladen – in der Region breitet sich diese Atmosphäre von kreativer Umnutzung weiter aus. Ergänzend berichtet die "Süddeutsche Zeitung", dass die Umnutzung industrieller Standorte für künstlerische Zwecke europaweit zunimmt und dem öffentlichen Diskurs neue Impulse gibt. "Zeit Online" hebt in einem frischen Beitrag hervor, wie diese Initiativen Altbauten vor dem Verfall bewahren und urbane Identität neu beleben. Im "Spiegel" wird betont, dass Projekte wie in St. Pölten auch gesellschaftspolitische Resonanz erzeugen, da sie das Bewusstsein für lokale Geschichte schärfen und Gemeinschaften aktivieren.