ADAC: Finger weg vom österreichischen Modell bei Spritpreis-Regulierung

Der ADAC sieht in den Plänen der Bundesregierung, Spritpreise nach dem Vorbild Österreichs per Gesetz zu deckeln, ein riskantes Manöver – und warnt davor, dass Autofahrer am Ende sogar mehr zahlen müssen.

heute 12:58 Uhr | 3 mal gelesen

Christian Laberer vom ADAC äußerte kürzlich deutliches Unbehagen gegenüber dem österreichischen Ansatz zur Kraftstoffpreisregulierung. Sein Argument: Wenn Tankstellenbetreiber ihre Preise im Laufe eines Tages nicht mehr flexibel anpassen dürfen, könnten sie einmal zu Beginn kräftig anziehen – einfach, weil nach oben kein Spielraum mehr besteht. Klingt absurd, aber: Das Durchschnittsniveau könnte dann über dem aktuellen liegen. Deutschlands jetzige Praxis hält Laberer, außerhalb von Krisenzeiten wohlgemerkt, jedenfalls für verbraucherfreundlicher. Wer im Alltag ein bisschen Preise vergleicht und nicht gerade morgens zur Rush-Hour tankt, fährt oft günstiger. "Das Abends-Tanken lohnt weiterhin", gibt Laberer einen bodenständig-praktischen Tipp. Übrigens: Dass Benzin in Österreich oft billiger ist, hat weniger mit schlauen Regeln zu tun, sondern liegt einfach an den dortigen, vergleichsweise niedrigen Steuern.

Im Kern kritisiert der ADAC die angedachte Preisregelung nach österreichischem Vorbild, weil diese kaum den gewünschten Effekt für Autofahrer in Deutschland hätte. Stattdessen könnten Betreiber die Preise pauschal erhöhen, um Risiken abzufedern – das läuft dem Ziel, Verbraucher zu entlasten, klar zuwider. Laut ADAC zeigt sich daran: Der Unterschied zwischen beiden Ländern hat mit unterschiedlicher Steuer- und Abgabenlast zu tun, nicht mit regulatorischen Kunstgriffen; Aufmerksamkeit und Flexibilität beim Tanken zahlen sich weiterhin aus. – Update: Nach Veröffentlichung hat sich auch die Bundestagsfraktion der FDP skeptisch zur Preisdeckelung geäußert. In Österreich wird die Wirksamkeit der Preisbindung teils kritisch gesehen, da sie tatsächlich mit höherem Grundpreis einherging. Zeitgleich verweisen Ökonomen darauf, dass Preisinformation und Wettbewerb in Deutschland für zahlreiche Senkungen sorgen – sofern Verbraucher informiert agieren. Letztlich gerät die Diskussion über Markteingriffe in Tankstellenpreise immer wieder zum grundsätzlichen Streit um Markt versus Regulierung und bleibt daher politisch brisant.

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