Mit den einbehaltenen Gewinnen will AGRAVIS ihre Eigenkapitalbasis weiter stärken, so Dr. Köckler vor den Aktionären in Oldenburg – stabile Eigenfinanzierung sei, gerade in stürmischen Zeiten, der wohl beste Schutz vor Marktturbulenzen und das Fundament für weiteres Wachstum.
"Wir bleiben am Ball, sehen Risiken, aber auch Chancen", betonte Köckler. Gleichwohl gehe der Konzern davon aus, dass das operative Umfeld anspruchsvoll bleibt: Die Betriebsmittelpreise schwanken wegen der Unsicherheiten rund um den Irankrieg, während auf der anderen Seite Getreide- und Ölsaatenpreise AGRAVIS in ihrem Kurs einer innovativen und nachhaltigen Landwirtschaft bestärken.
Im Segment der Futtermittel rechnet das Unternehmen weiterhin mit Konsolidierungen und einem allmählichen Rückgang der Produktionsmengen. Trotzdem ist AGRAVIS davon überzeugt, mit Fachkompetenz und dem genossenschaftlichen Netzwerk regional an Bedeutung zu gewinnen.
Im Bereich der Raiffeisen-Märkte setzt man darauf, digital und stationär Kaufkraftverluste mit angepasstem Sortiment abzufangen – ein Balanceakt, der Anpassungsfähigkeit verlangt.
Für Landmaschinen sieht AGRAVIS 2026 eine etwas abnehmende Investitionsbereitschaft, obwohl die Werkstätten gut ausgelastet bleiben; die organisatorischen Herausforderungen – etwa bei SAP – habe man bereits gestemmt. Jetzt gelte es, flexibel auf Marktveränderungen in der Technikbranche einzugehen.
Was die Energiesparte angeht, werde laut Köckler herkömmlichen, fossilen Kraftstoffen noch für mehrere Jahre eine zentrale Rolle zugeschrieben. Dennoch investiert das Unternehmen in zukunftsfähige Alternativen wie Biomethan und hat jüngst eine Bio-CNG-Tankstation in Münster eröffnet – AGRAVIS sieht hier einen vielversprechenden Wachstumsmarkt.
Was den Rückblick auf das Jahr 2025 betrifft: AGRAVIS übertraf die eigenen Prognosen mit einem Umsatz von 8,4 Mrd. Euro und einem Vorsteuergewinn von 70,1 Mio. Euro. In vielen Bereichen konnten Marktanteile und Absatzmengen erhöht werden, und die Eigenkapitalquote stieg auf 32,3 %. Unterm Strich: Das vergangene Jahr war solide, gibt Sicherheit für die Zukunft, und lässt Raum für neue Ideen.
Der aktuelle Zwischenstand zeigt: AGRAVIS bleibt robust und handlungsfähig, trotz eines herausfordernden Marktumfelds und globaler Unsicherheiten. Besonders bemerkenswert ist, dass das Unternehmen auf einen Mix aus Kontinuität und Innovation setzt – von nachhaltiger Landwirtschaft über Digitalisierung im Handel bis hin zu alternativen Energiekonzepten. Zusätzlich hebt AGRAVIS den Wert des genossenschaftlichen Netzwerks hervor, das gerade in turbulenten Zeiten Stabilität und lokale Verankerung gewährleistet.
Recherchen zeigen, dass der Agrarhandel in Deutschland derzeit insgesamt vor ähnlichen Herausforderungen steht: Viele Unternehmen spüren den Druck durch volatile Rohstoffpreise, die Unsicherheiten etwa infolge geopolitischer Krisen, etwa im Nahen Osten, und Lieferkettenprobleme. Gleichzeitig bieten steigende Anforderungen im Klimaschutz und Digitalisierung Chancen für neue Geschäftsmodelle, etwa in der dezentralen Energieversorgung oder im datengetriebenen Pflanzenbau. Laut aktuellen Medienberichten bleibt der Trend zu mehr Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft in der deutschen Agrarindustrie stark, wobei Investitionen in Biogas, E-Commerce und Präzisionslandwirtschaft als wichtige Zukunftsfelder gelten.