Dass Berlin ausgerechnet jetzt von der dramatischen Lage überrascht wird, macht viele fassungslos – immerhin brodelte die Region schon vor Tagen. Grünen-Politikerin Luise Amtsberg zeigt sich ernüchtert und erinnert daran, dass der Schutz deutscher Bürger zu den Grundaufgaben der Regierung gehört. Doch erst nach Tagen des Abwartens gibt es Reaktionen. 'Nur ältere Menschen, Kinder und Schwangere auszufliegen, ist einfach zu wenig,' so ihr Vorwurf. Die Linke schließt sich dem an: Cansu Özdemir kritisiert die Krisenkommunikation als schwach und sieht durch die undurchsichtige Informationspolitik zusätzliche Unruhe entstehen. Für sie steht fest: Es braucht rasch transparente Pläne – und zwar nicht nur für einzelne Risikogruppen, sondern für alle etwa 30.000 Deutschen, die sich aktuell in der Region aufhalten. Statt Zögern und Stückwerk fordert sie eine klare, umfassende Strategie. Menschlich verständlich, finde ich, denn niemand möchte im Ernstfall vergessen werden.
Die Bundesregierung befindet sich derzeit im Kreuzfeuer heftiger Kritik seitens der Oppositionsparteien, da sie nur zögerlich auf den eskalierenden Konflikt am Persischen Golf reagiert und zuerst nur besonders schutzbedürftige Bürger evakuieren will. Die Debatte dreht sich vor allem um die Frage, ob es angesichts der Absehbarkeit der Lage nicht schneller und breiter angelegte Aktionspläne hätte geben müssen. Jüngste Medienberichte zeigen, dass sich auch in der Bevölkerung Unsicherheit breitmacht und andere europäische Länder zum Teil deutlich zügiger und transparenter auf Krisen reagieren – ein Punkt, der den Vergleich für die Bundesregierung nicht gerade günstiger erscheinen lässt.