Es bleibt ein seltsames Paradoxon: Wer in Deutschland mit Mühe etwas mehr verdient, schaut nicht selten in die Röhre. Georg Cremer, langjährig bei der Caritas unterwegs und nun in der Rentenkommission aktiv, hat da eine recht bodenständige Idee. In der 'Neuen Osnabrücker Zeitung' schlägt er vor, dass mindestens 30 Cent von jedem zusätzlich verdienten Euro auch tatsächlich im Geldbeutel landen sollten – klingt fast banal, ist aber praktisch ziemlich revolutionär im aktuellen System. Nach Kalkulationen des Ifo-Instituts schwinden durch die Anrechnung vieler Sozialleistungen – wie Wohngeld und Kinderzuschlag – gerade bei Alleinerziehenden und kinderreichen Familien die tatsächlichen Zugewinne auf gerade mal 100 bis bestenfalls 200 Euro pro Monat. Diese marginalen Unterschiede lassen die Motivation oft im Keim ersticken; das Gefühl, für wenig mehr zu schuften, ist alles andere als knisternd. Eine umfassende Überarbeitung der Anrechnung würde laut Schätzungen allerdings zwei bis drei Milliarden Euro kosten. Klingt viel, ist aber vielleicht eine Investition in soziale Stabilität, die sich lohnt – zumindest, wenn man auf längere Sicht denkt. Und wer weiß schon genau, ob der Staat an jedem Ende spart, wenn er an dieser Stelle klemmt?
Georg Cremer fordert eine grundlegende Überarbeitung der Anrechnungssysteme für Sozialleistungen, damit gering verdienende Familien und Alleinerziehende einen höheren Anteil (mindestens 30 %) von zusätzlichem Verdienst behalten können. Nach aktuellen Regelungen werden Sozialleistungen wie Wohngeld und Kinderzuschlag oft so stark angerechnet, dass von mehr Arbeit kaum finanzieller Nutzen übrig bleibt – besonders für Familien mit mehreren Kindern im unteren bis mittleren Einkommensbereich. Die vorgeschlagene Reform hätte laut Expertenschätzungen zwar erhebliche Kosten, könnte aber zentral zur Armutsbekämpfung und Motivation von Geringverdienern beitragen.
Laut aktuellen Berichten fordern immer mehr Experten sozial gerechtere Reformen, da ein Großteil der Sozialhilfeempfänger trotz Erwerbstätigkeit nur schwer über die Runden kommt. Erste politische Ansätze für eine Überprüfung der Systeme und weitere Modellrechnungen zur Entlastung von unteren Einkommen sind bereits in Diskussionspapieren der Bundesregierung und politischen Stiftungen aufgenommen worden. Zudem stehen die steigenden Lebenshaltungskosten und die Inflation weiter im Fokus der aktuellen Debatte um Sozialreformen und Existenzsicherung.