Systematische Misshandlung in JVA Gablingen? – Chatnachrichten werfen einen dunklen Schatten auf Deutschlands Strafvollzug

München – Die neuesten Enthüllungen von Bayerischem Rundfunk und dem ARD-Magazin KONTRASTE erschüttern: Interne Chats unter Bediensteten der Justizvollzugsanstalt Gablingen offenbaren ein Klima der Gewalt und Demütigung gegenüber Häftlingen, das für viele unvorstellbar ist. Wärter sollen offenbar Spaß an Misshandlungen gehabt haben. Diese Vorwürfe werfen grundsätzliche Fragen zum System Justizvollzug auf.

heute 11:00 Uhr | 3 mal gelesen

Es klingt wie ein surreales Protokoll aus einer anderen, dunkleren Epoche: Nachrichten aus internen Chats der Justizvollzugsbeamten in Gablingen lassen tief blicken. Man liest von (Zitat) 'geilen Tagen', von Beamten, die offenbar Freude daran fanden, Insassen zu schikanieren oder gar zu misshandeln. Auch die ehemalige Vizechefin wird schwer belastet: Sie räumte ein, dass sie und Teile der Sicherungsgruppe (SIG) rechtswidrig agiert haben – ein erschütterndes Eingeständnis. Die Gewalt reichte von Erniedrigungen bis hin zu physischen Übergriffen. Besonders schockierend: Auch psychisch kranke oder verletzte Inhaftierte wurden laut Vorwürfen nicht verschont.

Details aus dem Bericht wiegen schwer. Ein Mann, der ohnehin am Rande seiner Kräfte war, wurde offenbar isoliert, sogar nackt in einem besonders gesicherten Haftraum untergebracht. Ein anderes Mal wird berichtet, ein Angestellter habe systematisch das Bett eines verletzten Gefangenen gerüttelt. Schläge, Würgen, Tritte waren laut Ermittlungen keine Ausnahme – zum Teil waren die Hände gefesselt. Die Leitung? Oft anwesend oder zumindest wissend, so der Verdacht.

Demütigungen machten die Taten zusätzlich perfide. Kniebeugen nackt vor den SIG-Beamten, Dankessagungen an die Täter – das alles klingt nach Inszenierung von Macht, weit entfernt vom rechtsstaatlichen Ideal. Chataussagen wie 'immer den Hals abdrücken' belegen einen Geist, der auf Abschreckung, vielleicht sogar Zerstörung, angelegt war.

Die frühere Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger spricht nüchtern von abgründigen Zuständen und zieht das Fazit: Sollte sich das bestätigen, wäre es der größte JVA-Skandal der Bundesrepublik Deutschland.

Besonders perfide: Die mutmaßlichen Täter wählten Zeit und Ort ihrer Übergriffe gezielt, um ungestört agieren zu können – Kameras wurden ebenso umgangen wie kritische Kollegen weggeschickt. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen 13 damalige JVA-Bedienstete, darunter Leitungspersonal. Rechtsanwälte schweigen bislang, und bis zum rechtskräftigen Urteil gilt die Unschuldsvermutung.

Neuste Recherchen von BR und KONTRASTE decken auf, dass in der JVA Gablingen offenbar systematische Misshandlungen, Demütigungen und schwere Grundrechtsverletzungen stattfanden. Chatnachrichten belegen, wie Bedienstete der Anstalt sich gegenseitig über Gewaltexzesse berichten und diese teils als 'Spaß' empfinden – zum Beispiel wird sogar von gezieltem Würgen gesprochen. Insgesamt wurden 13 JVA-Bedienstete, darunter Verantwortliche der Einrichtung, angeklagt; die Vorwürfe reichen von gefährlicher Körperverletzung bis hin zu Amtsmissbrauch. Laut aktuellen Medienberichten beschäftigte dieser Skandal in den letzten zwei Tagen weiterhin die deutsche Politik: Es gab mehrere Wortmeldungen von Staatsanwälten und Menschenrechtsinitiativen, die jetzt tiefgreifende Reformen im Justizvollzug fordern. Manche Zeitungen berichten von weiter gefassten Ermittlungen auch in anderen bayerischen JVAs, da ähnliche Chat-Nachrichten bei Durchsuchungen entdeckt worden sein sollen. Die Frage in den Leitmedien bleibt, wie tief das Problem im System verwurzelt ist – und wie transparent die Aufklärung tatsächlich ablaufen wird.

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