Gerechtigkeit in der Schule – klingt kühn, bleibt aber ein Ringen um gute Ideen. Der Hob-Preis stellt genau diese Frage in den Mittelpunkt: Wie gelingt es, Kinder so zu fördern, dass Herkunft oder Lernbedingungen keine Rolle spielen? Bei den diesjährigen Gewinner-Schulen blieb die Jury an Strukturen hängen, die auf Verschiedenheit setzen und nicht auf Einheitsbrei:
Die Grundschule Erlangen-Tennenlohe baut auf eine ganztägige Lernumgebung, die individuelles Tempo und flexible Gruppen zulässt. In den Klassen tummeln sich Kids vom Akademikersohn bis zum Kind aus der Geflüchtetenunterkunft, was außergewöhnlich bunte Klassenzimmer garantiert – und zu spürbaren Herausforderungen führt. 'AnTennenlohe', das eigene Schulradio, ist mehr als Spaß: Die Schülerinnen und Schüler üben sich darin, öffentlich zu sprechen, Themen zu setzen, Sprache neu zu entdecken – und das Selbstbewusstsein wächst gleich mit. Dahinter steckt ein Netzwerk aus Lehrkräften, Eltern, Ehrenamtlichen und externen Fachleuten, das Bildungsgerechtigkeit nicht als leere Phrase versteht.
Anders – aber ähnlich konsequent – bei der Janusz-Korczak-Schule in Chemnitz. Die Förderschule für geistige Entwicklung hat klassische Stundenpläne abgeschafft und setzt auf maßgeschneiderte Lernangebote. Rituale, Gesundheitsförderung, Materialvielfalt und multiprofessionelle Teams machen dort den Schulalltag aus. Das Ziel: Jeder Schülerin, jedem Schüler so viel Halt und Teilhabe zu geben, wie es individuell nötig ist. Im Zentrum stehen Bindung und Sicherheit – nicht Gleichmacherei, sondern echte Teilhabe.
Die Stiftung betont, wie innovativ und wegweisend diese Schulen seien, weil sie konkrete Antworten auf alte Fragen geben. Ganz nebenbei wird Bildung hier zu einem sozialen Hebel – und der Preis soll Signalwirkung entfalten, damit solche Projekte Schule machen. 250.000 Euro Preisgeld sind da nicht nur Symbol, sondern Rückendeckung zum Weitermachen.
Hinter der Stiftung (seit 1995 aktiv) steht PLAYMOBIL-Macher Horst Brandstätter, der Wirtschaft und soziales Engagement schon immer gern zusammengedacht hat. Ziel: Kindern echte Entwicklungsräume bieten, nicht nur im Klassenzimmer, sondern im Leben.
Mit der dritten Vergabe des Hob-Preises setzt die Stiftung Kinderförderung von Playmobil erneut ein Zeichen für innovatives Engagement in der Bildungslandschaft. Im Fokus steht, wie Schulen auf die unterschiedlichen Voraussetzungen ihrer Schülerinnen und Schüler eingehen – im Idealfall mit nachhaltigen Konzepten, die auch andernorts funktionieren könnten. Aktuelle Debatten in Deutschland zeigen übrigens, dass Bildungsgerechtigkeit weiterhin ein heißes Thema bleibt: Der Nationale Bildungsbericht 2024 weist darauf hin, dass trotz gesetzlicher Vorgaben soziale Herkunft weiterhin ein entscheidender Faktor für den Bildungserfolg ist. In einer jüngst veröffentlichten Studie der Bertelsmann Stiftung wird zudem angemahnt, dass Ganztagsschulen stärker auf Förderung statt nur Betreuung setzen müssen, um Chancengleichheit wirklich zu verbessern. Die jetzt ausgezeichneten Schulen liefern damit nicht nur Impulse, sondern auch praktische Modelle, wie Strukturen und Haltungen den Unterschied machen können. Ihr Ansatz geht über reine Wissensvermittlung hinaus – er setzt auf soziale Kompetenzen und eine breite Beteiligung von Eltern und externen Partnern. Auf bildungspolitischer Ebene werden Wettbewerbe wie der Hob-Preis inzwischen als Blaupause für gezielte Förderstrukturen und partizipative Bildungsgestaltung diskutiert.