Wettstreit um Europas Deep-Strike-Raketenprogramm: MBDA versus Ariane Group

MBDA, Europas bedeutendster Hersteller von Lenkflugkörpern und Luftverteidigungssystemen, signalisiert Deutschland seine Bereitschaft, eine weitreichende Raketentechnologie zu entwickeln.

heute 17:07 Uhr | 3 mal gelesen

Es geht um mehr als Technik – es geht um Souveränität. Moderne Deep-Strike-Systeme erlauben es, militärische Ziele weit jenseits der eigenen Frontlinie auszuschalten. Ein Gedanke, der in heutiger Zeit fast schon beunruhigend alltäglich geworden ist. Paul Houot, seines Zeichens Produktverantwortlicher für das Deep Strike Programm bei MBDA, pocht darauf, dass Europa seine Schlagkraft dringend ausbauen muss. Mit dem MdCN, einem Marschflugkörper für die Marine, hat MBDA derzeit das einzige Deep-Strike-Produkt auf dem alten Kontinent, das annähernd amerikanisches Kaliber erreicht. Wer sich nicht ganz so mit Raketentechnik auskennt: Der berühmte Tomahawk aus den USA ist quasi der Maßstab, an den sich die Europäer messen. Frankreich ist in Sachen Weiterentwicklung schon an Bord – und MBDA bietet den europäischen Partnern an, einfach aufzuspringen und gemeinsam mit den Franzosen den MdCN zur Land Cruise Missile weiterzuentwickeln. Deren Reichweite: "weit mehr" als 1.000 Kilometer! Damit könnten die Europäer endlich eine eigene, autarke Präzisionswaffe erhalten, die ohne US-Lizenz und -Freigabe exportiert werden dürfte. Und der Zeitplan? Schon 2029 könnte das Teil auf dem Feld stehen. Gleichzeitig spürt Houot deutliches Interesse von NATO und europäischen Staaten. Viele sind angesichts der ungewissen Lage auf dem US-Markt offenbar nervös geworden. Fast schon unter dem Radar hat sich ein zweiter Bewerber ins Spiel gebracht: Die Ariane Group, bislang vor allem für Raketen fürs Weltall bekannt, aber durchaus auch im Geschäft mit Verteidigungstechnik unterwegs. Vincent Pery von Ariane Group bestätigte der FAZ, dass mit Frankreich und Deutschland Gespräche über neue konventionelle ballistische Raketen laufen, die bis zu 2.500 Kilometer weit fliegen könnten. Bald könnten – vorausgesetzt, die Politik stimmt zu – solche Raketen sogar in Deutschland vom Band laufen. Einerseits ist das ein Schritt zu mehr Unabhängigkeit. Andererseits klingt das Wort "ballistisch" in europäischen Ohren immer noch nach Kaltem Krieg und drohender Eskalation. Es bleibt spannend, wie stark die Politik den Fuß auf das Gaspedal drückt.

MBDA und Ariane Group kämpfen derzeit um die Gunst Europas, ein eigenes „Deep Strike“-Raketenprogramm auf die Füße zu stellen und damit die militärische Eigenständigkeit gegenüber den USA zu stärken. Während MBDA mit dem in Frankreich entwickelten Marschflugkörper MdCN eine schnelle Lösung bietet und auf die Entwicklung einer landgestützten Variante drängt, möchte die Ariane Group mit einer neuartigen ballistischen Rakete punkten – und eröffnet Deutschland damit die Option, erstmals solche Systeme in eigener Regie zu produzieren. Diese Debatte gewinnt besonders vor dem Hintergrund wachsender Unsicherheiten über die Verlässlichkeit amerikanischer Waffenexporte an Bedeutung; Frankreich, Deutschland und andere europäische Akteure sind daher im Begriff, ihre militärischen Kapazitäten stärker gemeinsam und unabhängig auszubauen. Laut aktueller Medienberichte (FAZ, Spiegel, Zeit), gibt es eine klare Herausforderung: Die Initiative muss sich gegen politische Hürden und technische Risiken behaupten, da konkurrierende Interessen zwischen Industrie und Verteidigungsministerium bestehen und nationale Sicherheitsbedenken anhalten. Frankreich drängt auf schnelles Handeln, parallel sucht die Bundesregierung noch nach Konsens mit anderen europäischen Staaten – besonders, wie eine gemeinsame Finanzierung möglich sein kann. Das Thema strategische Raketensysteme wird in sicherheitspolitischen Debatten zunehmend drängender, nicht zuletzt, weil Expert:innen vor einem globalen Rüstungswettlauf warnen.

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