Wirtschaftsprofessor Südekum offen für DGB-Initiative zur verpflichtenden Betriebsrente
Jens Südekum, Berater im Umfeld von SPD-Chef Lars Klingbeil und renommierter Ökonom, sympathisiert mit dem Vorschlag des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), eine verpflichtende Betriebsrente einzuführen. Im Kern würde das bedeuten: Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen verpflichtend ein – ein Tabubruch, der kontrovers bleiben dürfte.
heute 17:31 Uhr | 2 mal gelesen
DGB-Chefin Yasmin Fahimi setzt sich mit Vehemenz für eine Betriebsrentenpflicht ein, und das Echo darauf klingt ungewohnt einig: Selbst Wirtschaftsexperten wie Jens Südekum nicken zustimmend. 'Das geht prinzipiell in eine richtige Richtung', sagt er dem Handelsblatt. Im Hintergrund läuft die Debatte, ob die Betriebsrente – diese fast vergessene Schwester der gesetzlichen Rentenversicherung – nicht einen dringend notwendigen Modernisierungsschub gebrauchen könnte. SPD-Politiker Roloff stößt in das gleiche Horn: Die betriebliche Altersvorsorge müsse ein zentrales Standbein werden, aber ohne das Rentenniveau zu gefährden. Sorgen macht man sich allerdings über die Belastbarkeit der Unternehmen – vor allem jene ohne Tarifbindung. Gerade deshalb pocht der DGB auf tarifvertragliche Regelungen: 20 Millionen Menschen hätten bislang keine Betriebsrente, meistens weil ihre Arbeitgeber nicht tarifgebunden sind. Die Gewerkschaften wollen das ändern – und nicht nur für ihre Mitglieder, sondern für sämtliche Arbeitnehmende. Kein leichter Weg, aber vielleicht ein notwendiger.
Die Debatte um die obligatorische Betriebsrente hat in Deutschland an Fahrt aufgenommen. Angestoßen vom DGB fordert die Gewerkschaft mehr kollektive Sicherheit für die Altersvorsorge – und blinde Flecken insbesondere bei Beschäftigten ohne Tarifvertrag werden immer offensichtlicher. Inzwischen signalisieren auch namhafte Ökonomen und führende SPD-Vertreter wie Jens Südekum Zustimmung, wobei eine tragfähige Lösung im Spannungsfeld zwischen finanzieller Belastbarkeit für Betriebe, Sicherung des Rentenniveaus und tariflicher Einbindung gefunden werden muss.
Zuletzt wurde auch auf Regierungsebene die Notwendigkeit kapitalgedeckter Elemente in der Altersvorsorge thematisiert, um langfristig den demografischen Wandel abzufedern und die Risiken für kommende Generationen zu reduzieren. Allerdings existieren Unsicherheiten darüber, wie verpflichtend, verbindlich und praktikabel eine solche Betriebsrentenpflicht wirklich gestaltet werden kann. Es bleiben offene Punkte rund um rechtliche und finanzielle Spielräume, administrative Umsetzbarkeit und die Bereitschaft der Arbeitgeber, sich an einer solchen Reform in vollem Umfang zu beteiligen.