Man könnte fast meinen, das Geschäft mit Prognosen sei in Deutschland inzwischen ein Glücksspiel geworden. Laut den jüngsten Zahlen des Ifo-Instituts geben mittlerweile 78,6 Prozent der befragten Unternehmen an, große Schwierigkeiten zu haben, ihre künftige Geschäftslage abzuschätzen – ein spürbarer Anstieg gegenüber den 75,4 Prozent im Februar. Noch nie seit Anfang 2024 war der Grad an wirtschaftlicher Unsicherheit so hoch. Offenbar schlägt der Krieg im Iran nun bis tief in die Entscheidungsprozesse der deutschen Wirtschaft durch. Klaus Wohlrabe vom Ifo-Institut bringt es auf den Punkt: Das Risiko, dass die Konflikte im Nahen Osten Folgen für den Standort Deutschland haben, sei nicht mehr bloße Theorie. Im produzierenden Gewerbe, insbesondere in energiehungrigen Branchen wie Chemie und Kunststoff, ist die Sorge fast schon mit Händen greifbar – dort klettern die Werte teils auf 95 Prozent. Aber auch Logistiker und Dienstleister stecken im Dilemma: Fast neun von zehn Unternehmen in der Branche fühlen sich durch die Unwägbarkeiten im Planen ausgebremst. Selbst im traditionell robusten Bau- und Handelssektor will die Unsicherheit nicht weichen. Ein Mix aus hohen Energiepreisen, drohenden Engpässen bei Rohstoffen und einer allgemein angespannten geopolitischen Lage sorgt dafür, dass Wachstum und Investitionen zunehmend als riskant angesehen werden. Ganz ehrlich: Wer kann’s ihnen verdenken?
Der Ifo-Indikator für Unsicherheit unter deutschen Unternehmen klettert aktuell auf ein auffällig hohes Niveau – ausgelöst durch den anhaltenden und zuletzt verschärften Konflikt zwischen Iran und Israel. Neben logistischer Angst vor unterbrochenen Lieferketten spielen auch explodierende Energiepreise und geopolitische Spannungen eine bedeutende Rolle, wobei die Industrie und insbesondere energieintensive Branchen besonders stark betroffen sind. Inzwischen gibt es zunehmend Hinweise darauf, dass Investitionen verschoben oder gar gestrichen werden, was das Risiko einer anhaltenden Wachstumsschwäche in der deutschen Wirtschaft erhöht. Darüber hinaus berichten verschiedene aktuelle Analysen, dass die Unsicherheit deutschen Unternehmen auch strukturelle Defizite wie langsame Digitalisierung und hohe Bürokratiekosten noch stärker spüren lässt. Zusätzlichen Druck übt die europäische und deutsche Energiepolitik aus, da Unternehmen sich wenig entlastet fühlen und nach klareren Perspektiven verlangen.