„Diskussionen stehen an – und zwar handfeste!“, betonte Strack-Zimmermann gegenüber der „Welt“, nach ihrer klaren Niederlage im Kampf um den FDP-Vorsitz. Die Zeiten, in denen einer das Sagen hatte und alle anderen stumm folgten, seien aus ihrer Sicht vorbei. Besonders besorgt zeigt sie sich über den aktuellen Weg der Partei – und das nicht ohne Grund. Ihrer Meinung nach verschiebt sich der politische Mittelpunkt in Deutschland schleichend nach rechts. Viele, die sich noch für die berühmte 'Mitte' hielten, würden gar nicht merken, wie sie langsam ins rechte Fahrwasser geraten.
Einer der Hauptgründe für die Bewerbung um den Vorsitz sei die Debatte um die sogenannte Brandmauer zur AfD, betont sie noch einmal. Ganz klar: Gespräche mit politischen Radikalen – egal ob am rechten oder linken Rand – schließe sie kategorisch aus. Applaus von konservativen Stammtischen? Vielleicht. Aber deshalb werde die FDP noch lang nicht gewählt, so ihr ernüchternder Blick auf das Image der Partei.
Kubicki hingegen, frisch bestätigt, gibt sich lässig und versöhnlich. In den Streit gehöre für ihn dazu – das mache die FDP schließlich aus. Sein Fokus: weniger die innerparteiliche Harmonie, mehr das Gewinnen von Wählerinnen und Wählern für die Liberalen.
Jens Teutrine aus dem Bundesvorstand richtet einen klaren Appell an Strack-Zimmermann: Nach vorne schauen, Wahlausgang sportlich nehmen, und möglichst wenig öffentlicher Kommentar zu Kubickis Person. Im Sinne des parteiinternen Erfolgs. Der Generalsekretär Henning Höne wiederum sagt: Die Unterschiede in der FDP seien oft mehr Frage des Tons oder der Strategie als tatsächlich der Inhalte. Beim Umgang mit der AfD gibt er sich unmissverständlich: Zusammenarbeit – ausgeschlossen.
Marie-Agnes Strack-Zimmermann will trotz ihrer Niederlage beim FDP-Parteitag die zukünftige inhaltliche Richtung der Partei weiter kontrovers diskutieren. Sie warnt davor, dass das politische Zentrum in Deutschland, und auch innerhalb der FDP, nach rechts gerückt sei. Die sogenannte Brandmauer zur AfD will sie klar aufrechterhalten und betont ihre Ablehnung jeder Kooperation mit radikalen Parteien – dies gelte für rechts- wie linksgerichtete Gruppierungen gleichermaßen. Wolfgang Kubicki plädiert hingegen für Einigkeit bei den FDP-Mitgliedern, betont aber, am wichtigsten sei es, Wähler zurückzugewinnen, statt interne Debatten zu führen. Die letzten Medienberichte (u.a. auf ZEIT, Spiegel, Süddeutsche und taz) zeigen, dass die FDP nach der Europawahl und der Auseinandersetzung um die Parteiführung insgesamt vor strategischen und inhaltlichen Umbrüchen steht.
Aktuelle Entwicklungen verstärken Strack-Zimmermanns Warnung: Laut Süddeutscher Zeitung und taz gibt es innerhalb des FDP-Flügels Unruhe mit Blick auf das Profil und den Abgrenzungskurs zur AfD, was zahlreiche Mitglieder als entscheidend empfinden, wie die Partei künftig wahrgenommen werden soll. Auch spiegel.de berichtet, dass die Debatte um eine moderne liberale Identität angesichts gesellschaftlicher Spaltung und wachsender rechter Tendenzen in Deutschland gerade erst begonnen haben dürfte.