Zwei volle Tage lang wurde auf dem FDP-Parteitag in Berlin diskutiert, gestritten, natürlich auch entschieden – zumindest in Teilen. Der zentrale Leitantrag „Neustart Deutschland: Befreiungsschlag für ein Land, das wieder erfolgreich ist“ – recht markig im Ton – wurde von den Delegierten verabschiedet, doch für die zahlreichen Änderungswünsche reichte die Zeit dann doch nicht. Die wanderten kurzerhand zur weiteren Beratung in die Hände der Ausschüsse – Alltag im politischen Betrieb.
Am Ende trat Martin Hagen ans Mikrofon, sichtlich bemüht, den Fokus auf Erfolge zu lenken. „Wegweisende Beschlüsse, eine bunte Führungsmannschaft – wir sind gut gerüstet“, meinte er. Was als Ermutigung gemeint war, trug allerdings einen Stolperstein im Gepäck: Die Wahlergebnisse für die neue Spitze waren, gelinde gesagt, ausbaufähig. Parteichef Kubicki bekam als Amtsverteidiger lediglich 59 Prozent Zuspruch, ebenso Hagen selbst – und das obendrein ohne Gegenkandidat. Für eine Partei, die sich gerne als Stimme der Mitte inszeniert, ist das ein Dämpfer.
Doch Hagen ließ sich den Optimismus nicht nehmen. Die kommenden Monate stellt er ganz ins Zeichen der Wahlkämpfe in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Nach seinem Verständnis ist der Gegner nicht in den eigenen Reihen, sondern dort zu suchen, wo die Konkurrenz Parteien heißt. Bemerkenswert: Laut Hagens Angaben sei der Anteil jener Bürger, die sich mit einem Kreuz bei der FDP anfreunden könnten, binnen nur zweier Monate von 16 auf 22 Prozent gesprungen. Fast so, als hätte die Partei einen kleinen Frühling erlebt. Aus Vorsicht: Das bedeutet nicht automatisch mehr Wähler – aber es nährt Hagens Hoffnung, dass die Fünf-Prozent-Hürde in greifbarer Nähe bleibt. Sein Credo: Mit Geschlossenheit und offensivem Wahlkampf könne es die FDP zügig zurück ins Rampenlicht schaffen. Trotzdem: Ein mulmiges Gefühl bleibt angesichts des Widerstands in den eigenen Reihen. Das gehört aber irgendwie zur Partei dazu.
Die FDP hat auf ihrem Berliner Bundesparteitag einen programmatischen Neuanfang beschlossen, stößt aber mit ihren Führungspersonen innerparteilich auf Widerstände. Martin Hagen setzt auf Wahlkampfschub und den gestiegenen Anteil potenzieller FDP-Wähler, auch wenn die knappen Wahlergebnisse Unsicherheiten offenlegen. Im Internet finden sich aktuell Analysen und Kommentare, die auf das schwierige Spannungsfeld zwischen parteiinternen Machtkämpfen und dem Versuch eines politischen Aufbruchs eingehen – insbesondere im Lichte bevorstehender Landtagswahlen und wachsender Konkurrenz im liberalen Lager.