Wenn sich beim ESC etwas abspielt, dann ist das keine Bühne politischer Macht, sondern eher so etwas wie ein buntes Klassentreffen für Musiker*innen aus ganz Europa – und, klar, Israel. Beck hat am Freitag in einem Gespräch mit RTL und ntv erklärt, dass etwa beim russischen Ausschluss die Situation völlig anders aussah: Russland sei mit einem propagandistischen Staatssender angetreten, Israel hingegen werde durch einen nachweislich gouvernementkritischen Sender vertreten. Den aktuellen Boykott von Spanien, den Niederlanden, Slowenien, Irland und Island deutet er als von doppelten Standards und, noch schärfer, als von antizionistischen und antisemitischen Einstellungen getrieben. Besonders an Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez übt Beck Kritik: Dieser nutze – so sein Eindruck – die Israel-Kritik, um davon abzulenken, was politisch bei ihm selbst gerade alles hakt. Das, was über 1.100 Musiker*innen gefordert hatten, also den ESC-Boykott Israels, findet Beck genauso daneben: Er sieht darin einen realitätsfernen und ebenfalls antisemitisch aufgeladenen Reflex. Was die Annahme betrifft, Israel würde den Musikwettbewerb für nationale Propaganda instrumentalisieren oder mobilisiere massenhaft Fans für Abstimmungen, winkt Beck allerdings ab – das sei schlicht eine Übertreibung, die in Wirklichkeit kaum jemand in Israel wirklich ernst nähme. Im Gegenteil, die israelische Öffentlichkeit würde sich eher gegenseitig auf den Arm nehmen, wenn es um PR-Pannen gehe. Er merkt am Ende noch an, dass die gegenwärtige Stimmung durchaus auch sein eigenes Wahlverhalten beeinflusse. Aus Trotz gegen die antiisraelischen Proteste unterstütze er dann eben Israel ein paar Mal mehr beim Voting – „zehn SMS für Noam Bettan und seinen Song“. Trotzdem bleibt der Wunsch, dass letztlich einfach die Kunst zählen sollte, auch wenn die Realität derzeit anders aussieht.
Beck sieht im ESC-Boykott mehrerer europäischer Länder gegenüber Israel eine gefährliche Tendenz zu Antisemitismus und kritisiert die Gleichsetzung mit Russland im Ukraine-Krieg als unzutreffend. Die Diskussion über Israels Rolle beim ESC ist Teil einer breiteren gesellschaftlichen Polarisierung über den Nahost-Konflikt, die auch den Kulturbereich erreicht hat. Die Tatsache, dass der Boykott in diesem Jahr besonders viele Unterstützer findet und Debatten über die Rolle von Musik als politisches Sprachrohr entfacht, zeigt, wie schnell kulturelle Plattformen zum Austragungsort geopolitischer Konflikte werden können. Neuere Berichte, etwa in der 'FAZ' und in der 'Süddeutschen', thematisieren, wie Protestaktionen beim ESC und Boykottaufrufe die Spaltung in der europäischen Gesellschaft vertiefen und die Kunstfreiheit tangieren; andere Stimmen fordern, den künstlerischen Wettbewerb stärker vor politischer Vereinnahmung zu schützen. In Israel selbst gibt es derweil sowohl Stolz auf die Teilnahme als auch kritische Stimmen über die internationalen Reaktionen, was spiegelt, wie komplex die Lage dort wahrgenommen wird.