Europäischer Toleranzpreis für Hans Haider: Ein Leben für Erinnerungskultur
Villach – Ein Mann, ein Anliegen: Hans Haider, 83 Jahre alt und Gründer des Vereins „Erinnern Villach“, wurde am Mittwochabend mit dem Europäischen Toleranzpreis ausgezeichnet. Seit Jahrzehnten engagiert sich der gebürtige Berliner mit unnachgiebiger Leidenschaft für das Erinnern und das Streben nach einer toleranten Gesellschaft in Villach. Der Preis ehrt ein Lebenswerk, das die Gedenkkultur nicht nur geprägt, sondern mit Herz und Ideen bereichert hat.
heute 09:20 Uhr | 3 mal gelesen
Hans Haider lebt seit Kindheitstagen in Villach. Der Leitsatz „Niemals vergessen“ ist für ihn weit mehr als eine Floskel – als ehemaliger Gymnasiallehrer ist es ihm offensichtlich, Jugendliche nicht nur mit der Vergangenheit zu konfrontieren, sondern sie auch für die Bedeutung des Erinnerns wachzurütteln. Was besonders auffällt: Haider geht es nie alleine um Schuld und Buße; vielmehr stand stets der respektvolle Diskurs und das Verstehen im Vordergrund – etwa, als er Jugendliche nach einer Schmiererei am Denkmal nicht bestrafte, sondern zum Gespräch einlud. Die Jury hebt hervor, dass Haider eine menschliche Brücke gebaut hat – zwischen privatem Erinnern und öffentlicher Erinnerungskultur, zwischen Ideen und Taten. Immer war er jemand, der Menschen zusammengebracht, Projekte organisiert und dabei Generationen inspiriert hat. Mit dem Denkmal der Namen schuf er einen Bezugspunkt, der über bloßes Mahnmal-Sein hinaus Mut und Kraft stiftet. Der Preis kommt jedoch zu einer Zeit, in der Haider offene Fragen stellt: Wie geht unsere Gesellschaft heute wirklich mit Ausgrenzung und Diskriminierung um? Seine Antwort, knapp und klar – Erinnerungskultur bleibt Widerstand, gewissermaßen ein Bollwerk gegen das Wiederaufleben alter Denkmuster. Was bleibt, ist Respekt für ein Lebenswerk, das sich nie mit einfachen Antworten zufriedengibt.
Hans Haider wurde für sein außergewöhnliches Engagement mit dem Europäischen Toleranzpreis der Stadt Villach geehrt. Sein jahrzehntelanges Wirken für die Gedenk- und Erinnerungskultur – insbesondere seine Arbeit mit Jugendlichen und sein offener Umgang mit Konflikten – ist in Österreich mittlerweile beispielgebend geworden: Statt auf Strafe setzte Haider auf Dialog und Verständnis, nicht zuletzt symbolisiert durch das von ihm initiierte „Denkmal der Namen“. Aktuelle Medienberichte verweisen zudem auf ein wachsendes Bewusstsein in Österreich und Europa, dass Erinnerungskultur nicht nur retrospektiv, sondern auch als aktive Wachsamkeit gegen Ausgrenzung und Diskriminierung notwendig bleibt – angesichts neuer politischer Strömungen und gesellschaftlicher Spaltungen. Die Toleranzgespräche in Fresach und die Preisverleihung an Haider werden in der Presse vielfach als Signal verstanden, dass Erinnerung Arbeit bedeutet und ein ständiges Innehalten und Prüfen auf gesellschaftliche Reife fordert.